Als ich in Wien war

Aus dem Radio entwachsen und in Wien gewesen. Dieser Traumstadt. Eine persönliche Analyse.

Von Andreas Lehner. Bevor ich nach Wien ging, da war Wien die große Stadt. Ein Traum. Eine Sehnsucht. Der Küniglberg. Das Fernsehen. Und natürlich das Radio. Denn dort im Radio, da bekam man Dinge zu hören, die hätte man sich niemals erträumen lassen, nicht mal dann, wenn man von Wien träumte. Das Radio, das stand da auf dem Nachtkästchen neben dem Bett. Entweder neben meinem eigenen oder dem meiner Eltern. Weil ich hab schon früh von Wien geträumt, so früh, dass ich noch im Bett meiner Eltern schlief. Und als meine Mutter oder mein Vater mir Gute Nacht gesagt haben und die Tür hinter sich zugemacht haben und es dunkel wurde, da habe ich mich aufgebäumt, gestreckt und den Radioknopf gedrückt. Einmal zum Einschalten und einmal um den Sender zu wechseln. Am nächsten Tag hieß es dann immer, wer hat denn schon wieder den Sender verstellt. Der Moderator schwafelte in dunkler und bedächtiger Stimme von etwas, von dem ich keine Ahnung hatte. Es war eine Aneinanderreihung von Worten, die ich nicht verstehen konnte, die für mich keinen Sinn ergaben. Und von der Musik, die sich langsam einschlich, nachdem der Moderator seine Abschlussworte fand, verstand ich noch viel weniger.  Und so entstand die Vorstellung eines unbegreiflichen und magischen Ortes von dem aus all die Worte und all die Klänge ausgehen müssen und in die weite und ferne Kinderwelt getragen werden. Dieser Ort, das war ein dunkler Ort, ein muffiger Ort, ein trauriger und ein melancholischer Ort, ein verruchter Ort, ein sündiger und gefährlicher Ort, ein poetischer Ort. Dieser Ort war Wien.
Am Gürtel die Huren, die Strizzis am Praterstern, und das Riesenrad, das sich behäbig über die Stadt hinweg bewegt, wie die eiernde Melodie eines Drehorgelspielers. Die Nachrichten über Wien, dass wieder jemand ermordet wurde, erstochen oder erhängt. 24 Stundenlokale, 24 Stunden Wienerschnitzel und panierte Leber, und die Wirtshäuser. Die sowieso, mit schweren Holztischen, und knartschenden Böden. Besoffene, die ins Krügerl schauen und den Tschick im Aschenbecher vergessen. Aber der Tschick, der lebt weiter, was sonst. Der Rauch steigt hoch, geschmeidig, von links nach rechts, und von oben nach unten, bis er sich wieder vereint im Inneren eines verschmierten Lampenschirms. Und im Sommer, in dieser sündigen Zeit, in der ganz Wien schwitzt, stehen sie am Donaukanal, lieben sich auf den Praterwiesen, der Morgenhimmel über ihnen. Und der untergehende Mond erhascht einen letzten Blick auf die lustverzehrten Gesichter, bevor die glühende Sonne die Liebenden vertreibt. Erschöpft kämpfen sie sich in ein Wirtshaus und füllen ihre Mägen bis sich ihre Köpfe langsam in den Kartoffelsalat senken und sie wieder beginnen zu träumen. Von der Traumstadt Wien.

Text: Andreas Lehner

Anreise – Der Geist des Hugo Chávez. Venezuela. Teil 1

Mai 2006. Hugo Chavez, der Präsident der bolivarischen Republik Venezuela tritt in der Wiener Arena auf. Zur gleichen Zeit treffen sich andere ranghohe Politiker im Rahmen des Lateinamerikagipfels in der Wiener Hofburg. Hugo schwänzt das Treffen und zieht es vor in der Arena zur Jugend zu sprechen, in blumiger Sprache und kämpferisch gegen den einzigen und schlimmsten Feind, den USA. Die Jugend liebt ihn, den Hugo. Sie jubelt ihm zu, bedauert das Nicht-Erscheinen von Evo Morales aus Bolivien, sie skandiert “U A Hugo no se va”. Der romantische Geist des Sozialismus verzaubert ganz Wien Erdberg an diesem Abend. Da denkst du dir gleich “Na, ich weiß nicht” und gehst lieber in den Klabautermann in der Schlachthausgasse auf ein Paar Würstel und ein Krügerl Bier. Zwei Jahre später hält dich Hugos Geist noch immer in seinen Bann und du beschließt fünf Wochen nach Venezuela zu reisen, um Hugos sozialistischem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Eine fünfwöchige Reise im Jahr 2008 durch das Venezuela von Hugo Chávez aus stark österreichischer Sicht. Teil 1 der mehrteiligen Serie: Anreise.

Eine fünfwöchige Reise im Jahr 2008 durch das Venezuela von Hugo Chávez aus Sicht zweier Österreicher. Teil 1 der mehrteiligen Serie: Anreise. Teil 2 „Einreise“ gibt es HIER

Von Andreas Lehner

Wien, Erdberg

Mai 2006. Hugo Chávez, der Präsident der bolivarischen Republik Venezuela tritt in der Wiener Arena auf. Zur gleichen Zeit treffen sich andere ranghohe Politiker im Rahmen des Lateinamerikagipfels in der Wiener Hofburg. Hugo schwänzt das Treffen und zieht es vor in der Arena zur Jugend zu sprechen, in blumiger Sprache und kämpferisch gegen den einzigen und schlimmsten Feind, den USA. Die Jugend liebt ihn, den Hugo. Sie jubelt ihm zu, bedauert das Nicht-Erscheinen von Evo Morales aus Bolivien, sie skandiert “U A Hugo no se va”. Der romantische Geist des Sozialismus verzaubert ganz Wien Erdberg an diesem Abend. Da denkst du dir gleich “Na, ich weiß nicht” und gehst lieber in den Klabautermann in der Schlachthausgasse auf ein Paar Würstel und ein Krügerl Bier. Zwei Jahre später hält dich Hugos Geist noch immer in seinen Bann und du beschließt fünf Wochen nach Venezuela zu reisen, um Hugos sozialistischem Geheimnis auf die Spur zu kommen.
Weiterlesen „Anreise – Der Geist des Hugo Chávez. Venezuela. Teil 1“