Mann ist wie Katze, immer liegt.

Ein Auszug aus dem kommenden neuen eBook von Dragoslav Prpic.

Gery kam vom Land nach Wien. Bist Du in Wien einer, der vom Land kommt, wirst Du meistens aus der Steiermark oder aus dem Waldviertel oder aus Oberösterreich oder aus sonst einem Bundesland, das nicht Wien ist, sein. Wien ist Stadt. Der Rest Land. Für jeden, der das Landleben satt hat, bleibt nur eine Möglichkeit, nämlich nach Wien zu gehen. Das plante der Gery nicht anders. Nach der Matura im Stiftsgymnasium ist er schnurstraks nach Wien. In den großen Ferien nach der Matura hat er noch lange überlegt, doch daheim bleiben, “da kenne ich alle, die Mama kocht und hat Zigaretten auf Vorrat und kann mich abholen, wenn ich im Suff das Taxigeld in noch ein Schnapserl investiert habe.”

Oder doch nach Wien in die große Stadt. Ganz fremd wärs dort eh nicht, weil jeder vom Land war irgendwann mal als Kind in der Stadt, Stephansdom anschaun und mit dem Riesenrad fahren, das Pferdelulu und Pferdegacki von den Fiakern inhalieren, bei der Heimfahrt zurück aufs Land auf der Äußeren Mariahilferstraße die rauchenden Strassenhuren bestaunen, die unter den  schummrigen Straßenlaternen auf und ab gingen. Das war schon alles sehr aufregend für die jungen Burschen vom Land.

Genau daran erinnerte sich auch der Gery, vor allem an die Huren, als er den felsenfesten Entschluss fasste “ich gehe nach Wien”.

Nach Wien zu gehen, das war das eine, was schon immer als kleiner Wunsch in ihm schlummerte. Das andere war das Leben in einer Wohngemeinschaft. Je größer die Wohngemeinschaft desto besser, dachte sich der Gery. Anfangs in Wien wohnte er noch alleine und sorgte für Gesellschaft indem er beim Fortgehen immer versuchte ein Mädchen kennenzulernen, das mit ihm nach Hause kommt, damit er nicht so alleine war. Der Gery war ganz gut darin, vor Allem wenn er ausreichend getrunken und geraucht hat. Je später die Stunde in den Bars, desto sicherer war er sich, dass seine Wohnung mit Leben gefüllt werde. So ging das ziemlich lange. Dann lernte er eine kennen, die nicht mehr aus  seiner Wohnung und seinem Bett raus wollte. Anfangs fand er das gut, dann so abscheulich, dass er beschloss von einem Tag auf den anderen abzuhauen. Der Gery packte nur einen kleinen Rucksack mit Zahnbürste und Unterhosen und schlich sich mitten in der Nacht aus dem Bett, wo das Mädchen tief und fest schlief. Den Mietvertrag hatte er gleich am nächsten Tag gekündigt und irgendwann nach drei Monaten sah er die Wohnung im Immobilienteil der Kronen Zeitung. Das Mädchen hat er nie wieder gesehen. In der Zwischenzeit erfüllte er sich den WG-Traum. Mit sechs anderen Mitbewohnern lebte der Gery in einer loftartigen Wohnung in Wien Favoriten. Die Wohnung war so billig, dass alle sieben in Saus und Braus lebten. Jeden Tag kamen neue Gäste vorbei, sie haben gekocht, gegessen und unvorstellbare Mengen an Bier getrunken. Erlaubte es der Kater vom Vortag wurde gern die Schnapsflasche aufgemacht. Der Schnaps schmeckte vorzüglich. Da alle Mitbewohner und WG-Besucher vom Land kamen, gab es immer Schnaps, den die Familien und Verwandte zu Hause selbst brannten. Kein Vergleich mit dem Billigfusel aus dem Interspar. Das war der pure Genuss und die Reinheit des Schnapses ersparte einem die schweren Köpfe und somit konntest du am nächsten Tag ohne Probleme dort fortsetzen wo du spät nachts aufgehört hast.

Für den Gery war es das Paradies. Irgendwann jedoch war der Gery unvorsichtig und verstieß gegen ein Grundgesetz des harmonischen WG Lebens. Er verliebte sich in eine Mitbewohnerin. Hat er sich anfangs noch gewehrt gegen die Aufregung, die er verspürte, wenn er in ihrer Nähe war, ist es in einer wilden Partynacht doch passiert. Sie rauchten gemeinsam noch einen Joint, so wie sie es jeden Abend machten, um besser schlafen zu können. Doch dieses mal löste das Kraut wildes Begehren aus. Der Gery berührte anfangs nur sachte ihren Zeigefinger und streichelte sanft rund um ihre Fingerkuppe. Die Mitbewohnerin, die noch eher bei Kräften war, stand dann von ihrem Sessel auf und setzte sich schnur straks auf Gerys Schoss. Der Gery war nicht mehr zu retten.

Am nächsten Tag taten beide so als wäre nichts geschehen. Am Abend gingen sie in die Pizzeria neben der U-Bahn-Station und tranken ein paar Bier. Dann fuhren sie noch zum Praterstern ins Fluc und tranken noch mehr Bier, dann Jägermeister, dann Taxi nach Hause und schon im Taxi war der Gery wieder nicht zu retten. So ging das wochenlang, bis sie ein richtiges Paar waren. Der Gery schlief nur mehr bei ihr im Zimmer, sie dachten schon daran Gerys Zimmer neu zu vermieten, weil sie ja so verliebt waren und eh nicht viel mehr brauchten als das kleine Zimmer, ein paar Bier und was zu kiffen.

Dann war Weihnachten und alle fuhren zurück aufs Land zu ihren Familien. Als der Gery zurückgekommen ist vom Land in die Stadt, traf es ihn wie einen Blitz, dass er dachte jetzt sofort lieber gleich sterben, bevor irgendwas anderes anreissen. Er stand im Türrahmen und konnte sich nicht mehr bewegen. Sein Herz raste und hämmerte so laut, dass er sich die Ohren zugehalten hat, was das Hämmern noch lauter machte. Dann drehte er sich um, ging torkelnd wie ein Betrunkener zum Kühlschrank und machte sich ein Bier auf. Das Bier war weg in null komma nix. Zum zweiten Bier setzte er sich hin und drehte einen Joint. Dann brach er in Tränen aus und weinte wie ein Hund. Dann hat er sich zusammengerissen, die Tränen aus dem Gesicht gewischt und ist in die Pizzeria. Wenig später kam auch die Mitbewohnerin. Sie setzte sich neben ihn und sagte “Du. Es ist einfach passiert Ich wollte das nicht. Aber dann haben wir was getrunken und …ich glaub zuviel und dann ist es passiert. “ Der Gery war stumm und starrte in sein Bierglas. Dann sagte die Mitbewohnerin “Du. Ich geh jetzt wieder.” Dann sprang der Gery auf und schrie sie durch die ganze Pizzeria an: “Ja. Schleich Dich, Du Bitch! Geh scheissn! Du Schlampn! Hur deppade! Gschissene Fut. I will di nie wieder sehen. Du Saaaau!” Die Mitbewohnerin war schon längst aus dem Lokal, schrie der Gery immer noch, bis ihn der Giancarlo von der Pizzeria mit einem doppelten Grappa beruhigen konnte.

Das Leben in der WG wurde für den Gery zur Hölle. Weil der Typ mit dem er seine Freundin im Bett erwischt hat, kam immer wieder zu Besuch. Und zwischendurch, als der eine Typ nicht kam, kamen andere zu Besuch. Die kamen in die Wohnung, der Gery öffnete ihnen die Tür und dann verschwanden sie auch schon im Zimmer von der Mitbewohnerin. Der Gery leidete und der Gery ging nicht mehr ausser Haus. Er setzte sich neben die Eingangstür und wartete bis es wieder klingelte. Dann machte er die Tür auf und setzte sich wieder hin. Der Gery sagte nie ein Wort der Begrüßung sondern saß nur da mit einem Bier und einer Zigarette in der Hand und schaute wie die Besucher wieder im Zimmer verschwanden. Manchmal hielt er es nicht mehr aus, die Neugier und Selbstgeisselung trieben ihn zur Zimmertür. Dort belauschte er die frisch Verliebten, hörte sie stöhnen und ausgelassen lachen. Einmal, da verlor er sich so sehr ins Lauschen, dass er vergessen hat auf andere Geräusche zu achten. Und so liegt sein Ohr an der Tür und zack geht die Tür nach innen auf und der Gery plumpst direkt vor die Füße der Mitbewohnerin.

“Oida! Was machst Du da? Bist du vollkommen deppad? Hast Du uns nachspioniert?” “Na. Also i wollt nur …” “Ja sicher hast uns nachspioniert. Oida, bist pervers? Was tuast no alles du Wichseer?” “Na hörts auf..Ich hab doch nur wollen…” “Ja was hast nur wollen. Wollts da an obareissen, oder was?”  Der Besuch der Mitbewohnerin empfand für Gery kein Mitgefühl und packte ihn am Krawattel und stieß ihn gegen die Wand. “Heast. Was soll des! Bei uns in da WG gibts keine Aggressionen!”, sagte der Gery und nahm Anlauf und stürmte auf den Besuch zu. Eine wilder Schlägerei entwickelte sich. Die Mitbewohnerin stand daneben und schrie “Hörts auf jetzt! Bitte! Hörts auf!” Dann nahm der Gery eine Bierflasche und zog sie dem Besuch über den Schädel. Der Besuch fiel um und Blut floss über sein Gesicht. Dann herrschte Stille.  

JIMMY – DER GEIST DES HUGO CHÁVEZ. VENEZUELA. TEIL 4

Hast Du das gehört? Soeben hat doch jemand “So a Schas”, gemurmelt. Oder bilde ich mir das alles ein. Tropenhitze am Orinoco kann tückisch sein. Und die 14-stündige Anfahrt von der Küste durch die unendlichen Weiten der Llanos-Ebene hierher nach Ciudad Bolivar, auch keine Kaffeefahrt. Schon der berühmte Weltvermesser Alexander Humboldt hat hier seine ganz eigenen Erfahrungen gemacht. Ganz zu schweigen von den Besessenen auf der Suche nach Eldorado. Das sagenhafte Goldland, das irgendwo im nördlichen Südamerika liegt. Irgendwo im Amazonasgebiet, in der Unendlichkeit des Urwalds mit seinen mächtigen Flüssen und den unendlich verzweigten Nebenflüssen. Wie soll man sich da zurechtfinden.

Eine fünfwöchige Reise im Jahr 2008 durch das Venezuela von Hugo Chávez aus Sicht zweier Österreicher. Dies ist Teil 4 “Jimmy“ der mehrteiligen Serie. Lies auch Teil 1 “Anreise” und Teil 2 „Einreise“ und Teil 3 „Busen“ 

Von Andreas Lehner. 

Jimmy

Hast Du das auch gehört? Soeben hat doch jemand “So a Schas”, gemurmelt. Oder bilde ich mir das alles ein. Tropenhitze am Orinoco kann tückisch sein. Und die 14-stündige Anfahrt von der Küste durch die unendlichen Weiten der Llanos-Ebene hierher nach Ciudad Bolívar, auch keine Kaffeefahrt. Schon der berühmte Weltvermesser Alexander Humboldt hat hier seine ganz eigenen Erfahrungen gemacht. Ganz zu schweigen von den Besessenen auf der Suche nach Eldorado. Das sagenhafte Goldland, das irgendwo im nördlichen Südamerika liegen soll. Irgendwo im Amazonasgebiet, in der Unendlichkeit des Urwalds mit seinen mächtigen Flüssen und den unendlich verzweigten Nebenflüssen. Wie soll man sich da zurechtfinden? Irgendwann wurde Eldorado dann an den See Parime in Venezuela gesetzt. Vielleicht einfach aus Verzweiflung, weil sich alle immer unsicher waren. Ist es jetzt Eldorado oder nicht? Nehmen wir halt Parime und sagen einfach, dort ist es, Eldorado. Der Humboldt war da ein paar Jahrhunderte später mit seiner deutschen Gründlichkeit schon genauer und erklärte allen, dass Eldorado Blödsinn und ein einziger Irrtum sei. “Oida, so a Schas”. Schon wieder. Und noch einmal. “Schas”. Ich glaub’ ich spinn’. Zweifelsfrei, österreichischer Dialekt. Schimpfend und fluchend setzt er die Bierdose zum Trinken an und lässt sie für einige Sekunden nicht mehr los, bis er sie in seiner riesigen österreichischen Hand so zerquetscht, dass das letzte Lackerl in sein Gesicht spritzt und dann das platte Aluminium auf die Straße wirft. Der Mike, ganz aufmerksam, fragt gleich, ob er zu viel gesoffen hat bei der Hitze, wir seien hier nicht am Neusiedlersee und der Orinoco ist nicht die Donau-Insel. “Ausgraubt haben’s uns, die Arschlöcher. Ollas weg. Reisepass. Geld. Telefon, Kamera. Alles weg. Wir waren drüben am anderen Flussufer in einem Lokal was essen, verstehst. Direkt am Fluss. Sehr schön gelegen. Muss ma’ ihnen schon lassen. Lästig nur die Muckn. Des oba a schon des einzige. Gut besucht. So. Kommen ein paar junge Typen daher und halten mir a Puffn an die Stirn. Seine Companeros seelenruhig, nimmt einer nach dem anderen unser Gepäck. Rucksack, Taschen, alles. Eine Ruhe vor dem Herren, sag ich dir. Dann nimmt er die Puffn weg und geht mit seine Hawara. Da schaust natürlich amoi deppert. Und sitzt und schaust deppert geradeaus, nur ned die Augen bewegen, und wartest bis des kalte Metall endlich weg ist von deiner Stirn. Das wünsche ich keinem. Geholfen hat niemand. Ich glaub die haben alle genauso deppert gschaut wie ich und gewartet bis die Burschen wieder abhauen. Was soll ma machen. Is halt a Schas jetzt.” So. Unsere Pläne für den Nachmittag haben wir schnell geändert. Weil Plan war, ans andere Flussufer mit der kleinen Fähre und dort Fisch essen. Wenn man jedoch so offensichtlich Gringo ist, wie wir, dann kommt das am anderen Flussufer scheinbar einer Einladung gleich, und den Revolver an der Schläfe wollen wir uns an diesem heiß-schwülen Nachmittag ersparen.

Ciudad Bolivar - Orinoco
Ciudad Bolivar – Orinoco
Ciudad Bolivar
Ciudad Bolivar

Dann, lieber Reise planen. Wie soll es weitergehen? Selbst das Eldorado suchen, oder rein in den Canaima Nationalpark in die Gran Sabana zum höchsten Wasserfall der Erde, dem Salto Ángel? Das musst du dir einmal vorstellen. Der Wasserfall stürzt sich nahezu 1 km in die Tiefe, 979 m sind es ganz genau. Und da oben auf über 1000 m, erstreckt sich eine 700 km² weite Fläche. 700 km²! Da fehlt nicht viel und dieser gewaltige Tafelberg Auyan-Tepui wäre doppelt so groß wie die Fläche Wiens. Nur ohne Stephansdom und ohne Prater-Hauptallee. Dafür aber mit endemischen Lebewesen, also Lebewesen, die nur in ganz bestimmten, klar abgegrenzten Umgebungen leben. Die findet man sonst nirgendwo anders auf der Welt, haben sich ihrer Lebensumgebung angepasst und ganz bestimmte, teilweise sonderbare Eigenheiten entwickelt. So gesehen, doch wieder ein bisschen was von Wien. Wir fahren zum Flughafen in Ciudad Bolívar. Ich traue meinen Augen nicht. Eine Stunde Flug nach Canaima, wo sich das Basiscamp für die Tour zum Wasserfall befindet. Normalerweise eine Stunde Fliegen kein Problem, aber mit einer 6-Sitzer-Cessna großes Problem. Am Flughafen steht noch das Flugzeug von Jimmy Angel aus dem Jahre 1937, nicht viel größer als unsere schnuckelige Cessna. Was dem Jimmy im Oktober 1937 aber passiert ist, ist ein Unglück. Der Jimmy versuchte nämlich auf dem riesigen Tepui eine Landung hinzulegen. Die Landung gelang, allerdings im tiefen Schlamm, und so war ein erneutes Abheben unmöglich. Jetzt musst du dir vorstellen, du hängst dort oben fest. 700 km² weit, über 1000 m hoch. Ohne Flugzeug. Keine Ahnung von der Umgebung, weil kein Google Maps, 1937, und nicht einmal der Humboldt hat diesen Flecken Erde auf seinen Expeditionen kartografiert. Die Male zuvor hat der Jimmy die Maschine einfach wieder gestartet und im Sturzflug vom Tepui wieder hochgejagt. Jetzt aber Fußmarsch. Elf Tage lang dauerte das, bis sie über eine Steilstufe wieder in den Urwald gelangten und dann von irgendeinem Dorf gefunden wurden. So nebenbei, wahrscheinlich hast du es schon längst bemerkt: Salto Ángel und Jimmy Angel, das ist kein Zufall, nein der Wasserfall ist nach Jimmy benannt. Dem Hugo Chávez war das gar nicht recht, und hat einmal angeordnet, dass der Wasserfall wieder seinen originalen Namen zurück bekommen soll: Kerepakupai Merú, eine Bezeichnung aus der Sprache der indigenen Pemón. Weil das aber niemand aussprechen kann und sich schon gar nicht merken kann, steht im Lonely Planet noch immer Salto Ángel.

Gran Sabana
Gran Sabana
Gran Sabana
Gran Sabana

Schau, wie schön das ist. Die Flüsse, wie sie sich durch das dichte Grün schlängeln. Kreuz und quer. Zwei Tafelberge da hinten am Horizont. Uii, und neben uns noch eine Cessna. Und schau wie freundlich, die winken uns zu. Und die Sonne, wie sie durch die Wolken blinzelt und den Tepui in Szene setzt, als wäre es jetzt Zeit für sein Solo auf der großen Urwaldbühne. Gewaltig. Hoppla! Sind wir noch in der Luft? Mir wird ganz warm, zu Schwitzen fang’ ich an. Sind noch alle hier? Mike? Bist Du hier? Kleines Indianermädchen bist du noch hier? Sind wir gelandet? Der Pilot grinst breit mit seinen viel zu großen Kopfhörern und streckt mir seinen Daumen hoch entgegen. Ich drehe mich sofort weg von ihm und suche Ablenkung im Naturschauspiel unter uns, das schön langsam in einem monotonen Grau verschwindet, weil der grinsende Pilot unbedingt durch die Wolken fliegen muss. Als ich die Augen wieder öffne, liege ich schon in einer Hängematte und schaukle langsam hin und her, weit über mir der Sternenhimmel der Gran Sabana. Morgen fahren wir zum Wasserfall. Der Einbaum bringt uns hin, durch Stromschnellen und dichtem Urwald und vorbei an wundervollen Tepuis, tief hinein in das Reich von Mutter Erde.

Gran Sabana - Canaima
Gran Sabana – Canaima
Gran Sabana - Salto Angel
Gran Sabana – Salto Angel
Gran Sabana
Gran Sabana

Schauplätze von „Der Geist des Hugo Chávez. Venezuela“ auf Google Maps

Alle Schauplätze Maps - Der Geist des Hugo Chávez. Venezuela.
Alle Schauplätze auf Google Maps – Der Geist des Hugo Chávez. Venezuela.

Text und Fotos: Andreas Lehner

Lies HIER Teil 1, Anreise

Lies HIER Teil 2, Einreise

Lies HIER Teil 3, Busen

Finde mehr Texte und Fotos von Andreas Lehner HIER auf seiner Autorenseite.

Kontext – Allgemeines über Venezuela

  • 28.868.486 Einwohner
  • Hauptstadt: Caracas
  • Amtssprache: Spanisch
  • Politik: Aktueller Präsident ist Nicolas Maduro. Seit Anfang 2014 gibt es im Land immer wieder Protestwellen gegen Maduro. Das Land befindet sich erneut in einer schweren Krise
  • Geographie: Die Natur Venezuelas ist abwechslungsreich und von umwerfender Schönheit. Zahlreiche Nationalparks und das Orinoco-Delta zählen zu den bedeutendsten und artenreichsten Naturreservaten weltweit.
  • Wirtschaft: Das Land lebt in erster Linie vom Erdöl-Vorkommen. Die Hälfte des der Staatseinnahmen stammen aus dieser Industrie. Das größte Unternehmen Petróleos de Venezuela (PDVSA) mit 80 000 Mitarbeitern ist ebenfalls in der Erdöl-Industrie tätig.

BUSEN – DER GEIST DES HUGO CHÁVEZ. VENEZUELA. TEIL 3

Es ist langes Wochenende in Venezuela. Langes Wochenende bedeutet, dass alle Hotels ausgebucht sind, alle Busse voll sind und man eng zusammenrücken muss. Und trinken muss. Flaschenweise Rum, leicht gestreckt mit Coca Cola und verfeinert mit Limetten. Am besten schon im Bus, während der Fahrt hinein in den prächtigen Henri Pittier Nationalpark nach Puerto Colombia an den Palmenstrand.

Eine fünfwöchige Reise im Jahr 2008 durch das Venezuela von Hugo Chávez aus Sicht zweier Österreicher. Dies ist Teil 3 “Busen“ der mehrteiligen Serie. Lies auch Teil 1 “Anreise” und Teil 2 „Einreise“.

Von Andreas Lehner. 

Busen

Es ist langes Wochenende in Venezuela. Langes Wochenende bedeutet, dass alle Hotels ausgebucht sind, alle Busse voll sind und man eng zusammenrücken muss. Und trinken muss. Flaschenweise Rum, leicht gestreckt mit Coca Cola und verfeinert mit Limetten. Am besten schon im Bus, während der Fahrt hinein in den prächtigen Henri Pittier Nationalpark nach Puerto Colombia an den Palmenstrand. Der Bus ist bunt bemalt und geschmückt mit Glitzergirlanden, da glaubst du, du bist in den Gurktaler Alpen auf der Fahrt zum Villacher Fasching. Und singen können die, die jungen Venezolaner und Venezolanerinnen. Jedes Lied können die auswendig mitsingen von der ersten bis zur letzten Strophe. So etwas würde man sich von der österreichischen Fußballnationalmannschaft auch einmal wünschen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die österreichische Bundeshymne die Augenlider mit aller Gewalt zum Zumachen zwingt, während hier im Bus der wummernde Bass aus dem mächtigen Auto-Soundsystem genau das Gegenteil bewirkt. Mit weit aufgerissenen Augen starrt man aus dem Fensterrahmen ohne Fensterglas in die Dunkelheit des Bergurwalds. Da spüre ich ein zartes Klopfen auf meiner Schulter. Ich drehe mich um, wird mir eine Zweiliter-Flasche in die Hand gedrückt. Ohne zu zögern, nehme ich einen gewaltigen Schluck. Gut steht dir der glitzernde Schweiß unter deinen großen Augen. Ich verliere mich im Vollmond. Der spiegelt sich nämlich in den großen Augen und in den Millionen feinen Schweißperlen, die sich wie ein feines Netz ausbreiten über ihr Gesicht, über den Hals, bis tief hinein in ihr großzügig geschnittenes Dekolleté. Der Mond wird größer. Manchmal blinkt er auch rot und gelb, dann, wenn ein Auto entgegen kommt oder ein Motorrad uns halsbrecherisch am schmalen Weg überholt. Ich bemühe mich um einen weiteren besonders großen Schluck. Es verzieht mir das Gesicht, da macht es einen Rumms, die Flasche raus aus dem Fenster, Himmel Herrgott noch einmal, was war in dieser Flasche drinnen, dass es beim Rausfallen beinahe den ganzen Bus in die Luft sprengt. Der Bus kommt zum Stehen. Gejaule. Geschrei. Buhrufe. Spielabbruch. Protest. Musik aus. Party over. War’s das mit dem Palmenstrand? Eine Nacht mitten im Bergurwald in Badehosen? Ein Moment der Unachtsamkeit, diese Rumflasche, dass die aber auch so einen Wirbel schlägt. Und das zarte Wesen, das mir das alles eingebrockt hat, nun Rumflasche zurück, por favor. Aber leider weg. Die Ersten hüpfen aus dem Bus und inspizieren. Der Bus nahe am Abgrund in die Bergurwaldschlucht. Reifen platt. Wagenheber ansetzen. Ersatzreifen montieren. Alles halb so wild. Motor an. Soundsystem an. Palmenstrand.

Henri Pittier Nationalpark - Venezuela
Henri Pittier Nationalpark – Venezuela
Anreise mit Panne - Henri Pittier Nationalpark - Venezuela
Anreise mit Panne – Henri Pittier Nationalpark – Venezuela

Davon hast du sicher schon gehört. Dass Venezuela eines der Länder ist, mit der höchsten Anzahl an künstlich gemachten Titten. Und dass Venezuela das Land ist, mit den meisten Miss World Titeln. Österreich hat bisher nur zwei Mal gewonnen, Ulla Weigerstorfer 1987, und 1969 Eva Rueber-Staier aus Bruck an der Mur. Die Eva durfte als Belohnung dann immerhin dreimal bei James Bond mitspielen. Das muss man schon hervorheben. Die Namen der venezolanischen Gewinnerinnen kenne ich jetzt nicht, klingen aber sicher aufregender als Weigerstorfer oder Rueber-Staier aus Bruck an der Mur. Was ja nichts heißen mag, weil Naturschönheit aus der Steiermark bleibt Naturschönheit aus der Steiermark. Mit der Natur, wie gesagt, nehmen es die Frauen in Venezuela nicht so genau, mit den Titten in Form dafür umso mehr. Da begegnen dir schon am Weg zum Strand Verkaufsstände die mit Tetas de Coco werben. Du hast sicher schon einmal Werbung für plastische Chirurgie gesehen. Oder im Fernsehen, eine Reportage wie “Der geplatzte Traum vom perfekten Busen”. Da werden dann große und weniger große Palstikbeutelchen gezeigt. Der Chirurg lässt sie durch die Hand gleiten und drückt und quetscht sie um die besondere Elastizität zu demonstrieren. So eine Teta de Coco ist ähnlich. Auch ein Plastikbeutelchen, in groß oder weniger groß, vielleicht nicht ganz so elastisch, weil der Inhalt gefroren, dafür aber umso schmackhafter, da der Inhalt Kokuswasser. Erfrischend. Der Strand könnte schöner nicht sein. Jetzt denkst du dir sicher, Strand, Frauen, plastische Chirurgie, Tetas de Coco, wie soll es da am Strand nicht schön sein, ist doch claro. Doch da muss ich dir sagen, täusche dich mal nicht. Denn so einem schönen Busen, darf es am Rest auch nicht fehlen. Und wenn der Rest so aussieht, wie aus einer Reportage für Adipöse, dann sind das zwei Welten, die genauso wenig zusammenpassen wie der sozialistische Hugo Chavez und sein Lieblingsfeind der imperialistische Teufelsstaat USA. Hier scheinen die zwei Welten trotzdem zusammenzufinden. US Fast Food Ketten verbreiten sich über das ganze Land, Venezuela genießt und wurde so zu einem der Länder mit der größten Zahl an Fettleibigen. Die nächsten Tage verbringen wir mit viel sportlicher Aktivität als Vorbereitung für die Tour zum höchsten Wasserfall der Welt, dem Salto de Angel.

Puerto Colombia - Venezuela
Puerto Colombia – Venezuela
Puerto Colombia - Venezuela
Puerto Colombia – Venezuela
Puerto Colombia - Venezuela
Puerto Colombia – Venezuela

Schauplätze von „Der Geist des Hugo Chávez. Venezuela“ auf Google Maps

Alle Schauplätze Maps - Der Geist des Hugo Chávez. Venezuela.
Alle Schauplätze auf Google Maps – Der Geist des Hugo Chávez. Venezuela.

Text und Fotos: Andreas Lehner

Lies HIER Teil 1, Anreise

Lies HIER Teil 2, Einreise

Finde mehr Texte und Fotos von Andreas Lehner HIER auf seiner Autorenseite.

Kontext – Allgemeines über Venezuela

  • 28.868.486 Einwohner
  • Hauptstadt: Caracas
  • Amtssprache: Spanisch
  • Politik: Aktueller Präsident ist Nicolas Maduro. Seit Anfang 2014 gibt es im Land immer wieder Protestwellen gegen Maduro. Das Land befindet sich erneut in einer schweren Krise
  • Geographie: Die Natur Venezuelas ist abwechslungsreich und von umwerfender Schönheit. Zahlreiche Nationalparks und das Orinoco-Delta zählen zu den bedeutendsten und artenreichsten Naturreservaten weltweit.
  • Wirtschaft: Das Land lebt in erster Linie vom Erdöl-Vorkommen. Die Hälfte des der Staatseinnahmen stammen aus dieser Industrie. Das größte Unternehmen Petróleos de Venezuela (PDVSA) mit 80 000 Mitarbeitern ist ebenfalls in der Erdöl-Industrie tätig.

Einreise – Der Geist des Hugo Chávez. Venezuela. Teil 2

Eine fünfwöchige Reise im Jahr 2008 durch das Venezuela von Hugo Chávez aus Sicht zweier Österreicher. Dies ist Teil 2 „Einreise“ der mehrteiligen Serie. Von illegalen Grenzüberschreitungen und ersten Eigenheiten des Systems Hugo Chavez

Eine fünfwöchige Reise im Jahr 2008 durch das Venezuela von Hugo Chávez aus Sicht zweier Österreicher. Dies ist Teil 2 „Einreise“ der mehrteiligen Serie. Teil 1 „Anreise“ kannst Du HIER lesen.

Von Andreas Lehner

Grenzen

So eine Grenzüberschreitung ist etwas Spannendes. Da wiegst du dich bereits in Sicherheit mit dem Glauben hinter der Grenze kann dir nichts mir dazwischen kommen, kommt dir natürlich doch noch was dazwischen und die Aufregung und Nervosität steigt wieder hoch, kitzelt dich in den Füssen, drückt im Magen herum, verleitet dich dazu, eine liebe, kleine Melodie vor dich her zu summen und der Anweisung des Grenz-Kieberers (Anmerkung: Kieberer ist ein österreichischer Begriff für Polizist) Folge zu leisten, umgehend zu ihm zu kommen.

Weiterlesen „Einreise – Der Geist des Hugo Chávez. Venezuela. Teil 2“

Anreise – Der Geist des Hugo Chávez. Venezuela. Teil 1

Mai 2006. Hugo Chavez, der Präsident der bolivarischen Republik Venezuela tritt in der Wiener Arena auf. Zur gleichen Zeit treffen sich andere ranghohe Politiker im Rahmen des Lateinamerikagipfels in der Wiener Hofburg. Hugo schwänzt das Treffen und zieht es vor in der Arena zur Jugend zu sprechen, in blumiger Sprache und kämpferisch gegen den einzigen und schlimmsten Feind, den USA. Die Jugend liebt ihn, den Hugo. Sie jubelt ihm zu, bedauert das Nicht-Erscheinen von Evo Morales aus Bolivien, sie skandiert “U A Hugo no se va”. Der romantische Geist des Sozialismus verzaubert ganz Wien Erdberg an diesem Abend. Da denkst du dir gleich “Na, ich weiß nicht” und gehst lieber in den Klabautermann in der Schlachthausgasse auf ein Paar Würstel und ein Krügerl Bier. Zwei Jahre später hält dich Hugos Geist noch immer in seinen Bann und du beschließt fünf Wochen nach Venezuela zu reisen, um Hugos sozialistischem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Eine fünfwöchige Reise im Jahr 2008 durch das Venezuela von Hugo Chávez aus stark österreichischer Sicht. Teil 1 der mehrteiligen Serie: Anreise.

Eine fünfwöchige Reise im Jahr 2008 durch das Venezuela von Hugo Chávez aus Sicht zweier Österreicher. Teil 1 der mehrteiligen Serie: Anreise. Teil 2 „Einreise“ gibt es HIER

Von Andreas Lehner

Wien, Erdberg

Mai 2006. Hugo Chávez, der Präsident der bolivarischen Republik Venezuela tritt in der Wiener Arena auf. Zur gleichen Zeit treffen sich andere ranghohe Politiker im Rahmen des Lateinamerikagipfels in der Wiener Hofburg. Hugo schwänzt das Treffen und zieht es vor in der Arena zur Jugend zu sprechen, in blumiger Sprache und kämpferisch gegen den einzigen und schlimmsten Feind, den USA. Die Jugend liebt ihn, den Hugo. Sie jubelt ihm zu, bedauert das Nicht-Erscheinen von Evo Morales aus Bolivien, sie skandiert “U A Hugo no se va”. Der romantische Geist des Sozialismus verzaubert ganz Wien Erdberg an diesem Abend. Da denkst du dir gleich “Na, ich weiß nicht” und gehst lieber in den Klabautermann in der Schlachthausgasse auf ein Paar Würstel und ein Krügerl Bier. Zwei Jahre später hält dich Hugos Geist noch immer in seinen Bann und du beschließt fünf Wochen nach Venezuela zu reisen, um Hugos sozialistischem Geheimnis auf die Spur zu kommen.
Weiterlesen „Anreise – Der Geist des Hugo Chávez. Venezuela. Teil 1“