FLASHLIGHTS OF MEMORIES. Die Sterne von Sarajevo

Die Erinnerung aus Sarajevo ist rund, schillernd und bunt, einer Seifenblase gleich. Es gibt hier nichts, was es nicht gibt, und alles ist hier genau richtig. Diese Stadt atmet Vielfalt. Sie ist eine Patchwork-Decke, ein Flickenteppich, aber einer, der fliegen kann, davon bin ich überzeugt. Obwohl das ganze Land von Geschichte durchtränkt zu sein scheint, ist Sarajevo selbst in diesem Punkt überragend: Die Spuren, die die Geschichte hinterlassen hat, leuchten von einer eigentümlichen und traurigen Schönheit. Es ist die Koexistenz und die Verflechtung der verschiedenen Zivilisationen, die die besondere Atmosphäre der Stadt ausmachen: Muslimisch-osmanische Bauten, orthodoxe oder katholische Kirchen, europäisch verzierte Fassaden, kommunistische Schubladenwohnungen, moderne neue Hochhäuser, vom Krieg beschädigte Wohnhäuser.

Von Saliha Soylu. 

Auf Reisen gleichen wir einem Film, der belichtet wird.
Entwickeln wird ihn die Erinnerung.
Max Frisch

Es ist der natürliche Filter der Erinnerung, der uns den wahren Eindruck einer Reise erkennen lässt. Denn selten bleibt von einer Reise mehr als eine Sammlung kostbarer Augenblicke, die sich in das Gedächtnis eingebrannt haben; glänzende Perlen, die die Erinnerung aus dem Meer des Vergessens ans Ufer spült: Weil sie es sind, die für immer bleiben, sind sie es auch, die uns für immer verändern können.

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4 Synagogen City Walk Budapest

Dieser 4 Kilometer lange Spaziergang führt größtenteils durch den VII. Budapester Bezirk. Er war bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs Zentrum des jüdischen Lebens in der ungarischen Hauptstadt. Zwischen 1944 und 1945 befand sich dort das „Budapester Ghetto“. Heutzutage ist wieder verstärkt ein aktives jüdisches Leben sichtbar. Zahlreiche Restaurants, Bars, Gastgärten, Lokale, kleine Boutiquen und Geschäfte locken junge Menschen aus aller Welt, die sich tagsüber und vor allem am Abend in den kleinen Straßen von Elisabethstadt tummeln.

Von Emanuel Lehner. Dieser 4 Kilometer lange Spaziergang führt größtenteils durch den VII. Budapester Bezirk. Man nennt ihn auch Erzsebétváros, also Elisabethstadt. Er ist nach Kaiserin Elisabeth („Sisi“), die 1867 zur Königin von Ungarn gekrönt wurde, benannt. Die Elisabethstadt liegt auf der Pester Seite Budapests. Wie die meisten Teile Pests wurde der VII. Bezirk ab der Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet. Er war bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs Zentrum des jüdischen Lebens in der ungarischen Hauptstadt. In der Elisabethstadt befand sich zwischen 1944 und 1945 das „Budapester Ghetto“. Heutzutage ist wieder verstärkt ein aktives jüdisches Leben sichtbar. Da dieses Viertel während des Zweiten Weltkrieges kaum zerstört wurde und die Herrschaft der Sozialisten bis 1989 fast unbeschadet überstanden hat, blieb die ursprüngliche Bausubstanz weitestgehend erhalten. Erzsebétvaros ist heute ein Ort mit zahlreichen Restaurants, Bars, Gastgärten, Lokalen, kleinen Boutiquen und Geschäften. Junge Menschen aus aller Welt tummeln sich tagsüber und vor allem am Abend in den kleinen Straßen von Elisabethstadt.

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Republik Moldau in Europa – Über nationale Identität, Politik und Zukunft

Von Maya Kristin Schönfelder. Menschenhandel, Armut, Wanderarbeiter – das waren die Schlagworte, die ich bis zum November 2014 mit der Republik Moldau verband. Das heißt, so habe ich das Land gar nicht genannt. Wie wahrscheinlich vielen Menschen im deutschen Sprachraum war mir der offizielle Name des Landes vollkommen unbekannt, so dass ich auch nach meiner Ankunft in der Hauptstadt Chişinău unbeirrt von Moldawien redete. Sehr zum Verdruss unserer Dolmetscherin Mila Corlateanu, die unsere Reisegruppe am Flughafen empfing und uns die ganze Woche begleitet hat. Wir, das war eine Gruppe Journalistinnen und Journalisten, die von n–ost (www.n-ost.org), dem Netzwerk für Osteuropa-Berichterstattung, für eine Recherchereise nach Moldau ausgewählt worden war.

Von Maya Kristin Schönfelder. 

Menschenhandel, Armut, Wanderarbeiter – das waren die Schlagworte, die ich bis zum November 2014 mit der Republik Moldau verband. Das heißt, so habe ich das Land gar nicht genannt. Wie wahrscheinlich vielen Menschen im deutschen Sprachraum war mir der offizielle Name des Landes vollkommen unbekannt, so dass ich auch nach meiner Ankunft in der Hauptstadt Chişinău unbeirrt von Moldawien redete. Sehr zum Verdruss unserer Dolmetscherin Mila Corlateanu, die unsere Reisegruppe am Flughafen empfing und uns die ganze Woche begleitet hat. Wir, das war eine Gruppe Journalistinnen und Journalisten, die von n–ost (www.n-ost.org), dem Netzwerk für Osteuropa-Berichterstattung, für eine Recherchereise nach Moldau ausgewählt worden war.

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Der Obstgarten der Sowjetunion – Heute: Republik Moldau

Von Maya Kristin Schönfelder. „Obstgarten der Sowjetunion“, so nannte man Moldau früher. Nicht umsonst. 80 Prozent der Fläche sind Kulturland. So sieht es auf dem Markt von Chişinău dann auch aus. Rot und grün und gelb leuchtet das Sauergemüse in großen Gläsern. Ein Mann erzählt mir, dass er seinen Freunden in Frankfurt/Main aller paar Monate eine Kiste davon mit dem Bus schickt – denn solch eine Qualität könnten die in Deutschland nicht kaufen. (Das stimmt.) Und in den vielen Fastenzeiten, die es in der orthodoxen Kirche gibt, sei Sauergemüse wichtig. Klar, wenn man Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte und was weiß ich noch nicht essen darf.

Als Hobbyköchin bin ich beeindruckt von der Sortenvielfalt. Ein halbes Dutzend Sorten Zwiebeln locken neben ganz unterschiedlich aussehenden Gurken und Tomaten zum Kauf. Ich staune über meterlange Auslagen von Kräutern, die man in Deutschland nur noch aus Büchern kennt. Das skurrilste Bild für mich ist ein Mann, der in Gummistiefeln und mit einem Kescher auf einem Tankwagen herumklettert. Im Minutentakt fischt er lebende Fische für die Kundschaft heraus und wirft sie mit Schwung nach unten, wo ein weiterer Verkäufer die Fische mit einem Eimer auffängt.

Wer sich jetzt ob der vermeintlichen Hygieneprobleme windet: Vom Markt in Chişinău kann sich mancher deutsche Supermarkt eine Scheibe abschneiden. Hier wird stets und ständig geputzt, geräumt, poliert, gefegt – genau wie im Rest der Stadt, wo eigentlich den ganzen Tag das schlurrende Geräusch von Reisigbesen zu hören ist, beginnend morgens ab fünf. Ich weiss das, denn um etwas von der Stadt zu sehen, stehe ich jeden Morgen vor Tau und Tag auf. Begleitet mich auf einen visuellen Rundgang durch das Markttreiben von Chișinău.

Von Maya Kristin Schönfelder

„Obstgarten der Sowjetunion“, so nannte man Moldau früher. Nicht umsonst. 80 Prozent der Fläche sind Kulturland. So sieht es auf dem Markt von Chişinău dann auch aus. Rot und grün und gelb leuchtet das Sauergemüse in großen Gläsern. Ein Mann erzählt mir, dass er seinen Freunden in Frankfurt/Main aller paar Monate eine Kiste davon mit dem Bus schickt – denn solch eine Qualität könnten die in Deutschland nicht kaufen. (Das stimmt.) Und in den vielen Fastenzeiten, die es in der orthodoxen Kirche gibt, sei Sauergemüse wichtig. Klar, wenn man Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte und was weiß ich noch nicht essen darf.

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Dima Zverevs: Russian Winter

Der Mai ist jener Monat, in dem der Winter noch einmal zurückschlägt. In Mitteleuropa sorgen die sogenannten Eisheiligen dafür, so die Bauernregel. In Russland ist das, zumindest visuell auf rundenreisen.org, Dima Zverev. Die Fotogallerie zeigt atemberaubende Fotos äußerst unangenehmer Wetterbedingungen. Warm anziehen für „Dima Zverevs: Russian Winter“.

Der Mai ist jener Monat, in dem der Winter noch einmal zurückschlägt. In Mitteleuropa sorgen die sogenannten Eisheiligen dafür, so die Bauernregel. In Russland ist das, zumindest visuell auf rundenreisen.org, Dima Zverev. Die Fotogalerie zeigt 15 atemberaubende Fotos äußerst unangenehmer Wetterbedingungen. Warm anziehen für  „Dima Zverevs: Russian Winter“.

Dima Zverev ist Fotograf aus Moskau und zeigt nahezu täglich faszinierende Bilder aus Russland, Moskau und vielen anderen Ländern dieser Welt. Die Fotogallerie ist eine kleine Auswahl seiner Winterserie. Mehr von Dima auf https://www.facebook.com/dima.zverev.7

Copyright Fotos: Dima Zverev

Chișinău, Moldawien. Andy’s Pizza und das lächelnde Billboard-Model

„Ich mag Andy‘s Pizza nicht. Andy‘s Pizza war der erste Pizza-Zustelldienst hier in Chişinău. Ich war Student und war viel und gerne zu Hause und jeden Tag wurde eine Bestellung geliefert. Ich hab genug davon. Nie wieder!“, versucht uns Dimitri, den wir zufällig getroffen haben, die Lokalkette wenig schmackhaft zu machen. Wir gehen trotzdem hin. Wir reisen schließlich nach zwei Tagen wieder ab, und vertragen somit ohne Probleme einen dritten Besuch. Nicht, weil Andy’s Pizza so gut ist, sondern weil er sich durch seine häufige und vertraut erscheinende Präsenz aufdrängt für Touristen, die sich ohne Vorbereitung durch die Stadt treiben lassen. Das Restaurant könnte in jeder anderen Stadt dieser Welt sein……..Wir schlendern durch ein Marktviertel Chişinăus. Am Rand der Fußwege stehen ältere Frauen Reih an Reih, so als würden sie Spalier stehen. Ihr Blick ist starr nach vorne gerichtet. Stumm bewerben sie Kleidungsstücke aller Art. In der linken Hand eine rote Übergangsjacke, in der rechten, zwei weiße Herrenhemden. Eine schwarz-rot gemusterte Strickweste, eine beige Bundfaltenhose. Eine graues und dunkelgraues Sakko, ein schwarzer Rock. Jene, deren Geschäft bereits grösser ist, präsentieren ihre Ware auf Kartons oder kleinen Klapptischen oder an in einen Baum geschlagene Karabinerhaken.

Von Andreas Lehner

„Ich mag Andy‘s Pizza nicht. Andy‘s Pizza war der erste Pizza-Zustelldienst hier in Chişinău. Ich war Student und war viel und gerne zu Hause und jeden Tag wurde eine Bestellung geliefert. Ich hab genug davon. Nie wieder!“, versucht uns Pjotr, den wir zufällig getroffen haben, die Lokalkette wenig schmackhaft zu machen. Wir gehen trotzdem hin. Wir reisen schließlich nach zwei Tagen wieder ab, und vertragen somit ohne Probleme einen dritten Besuch. Nicht, weil Andy’s Pizza so gut ist, sondern weil er sich durch seine häufige und vertraut erscheinende Präsenz aufdrängt für Touristen, die sich ohne Vorbereitung durch die Stadt treiben lassen. Das Restaurant könnte in jeder anderen Stadt dieser Welt sein. Wien, Berlin, Mexico City oder Moskau oder Bukarest. Pizza, Pasta, Steaks, Kellner in uniformierten dunklen Hosen und braun gestreiften Hemden, Kellnerinnen in schwarzen Röcken und braun gestreiften Blusen und die Haare nach hinten zusammengebunden, die Hände vor dem Körper verschränkt ineinander gelegt. Eine Pose, die wohl in der Personal-Einschulung eingeübt wurde, und dann anzuwenden ist, wenn gerade nichts zu tun ist. An den Wänden hängen Fotos von Caruso, Fotos von Venedig und Fotos vom Trevi-Brunnen aus Fellinis „La Dolce Vita“. Der einzige Indikator in Moldawien zu sein, sind die osteuropäischen Musikvideos, die in höchstem Farbkontrast auf den gestochen scharfen Flatscreens laufen, allerdings ganz ohne Ton.

Wir schlendern durch ein Marktviertel Chişinăus. Am Rand der Fußwege stehen ältere Frauen in einer Reihe, so als würden sie Spalier stehen. Ihr Blick ist starr nach vorne gerichtet. Stumm bewerben sie Kleidungsstücke aller Art. In der linken Hand eine rote Übergangsjacke, in der rechten, zwei weiße Herrenhemden. Eine schwarz-rot gemusterte Strickweste, eine beige Bundfaltenhose. Ein graues und dunkelgraues Sakko, ein schwarzer Rock. Jene, deren Geschäft bereits größer ist, präsentieren ihre Ware auf Kartons oder kleinen Klapptischen oder an in einen Baum geschlagene Karabinerhaken. Die Waren sind mit handgeschriebenen Preisschildern versehen. Es herrscht reges Treiben in diesen Straßen. Zwischen Kaufinteressierten, die Preise verhandeln und sich über die Ware informieren, mischen sich Fußgänger, die sich eilig ihren Weg durch das Getümmel suchen. An der großen Kreuzung lächelt genügsam ein blondes Model für Kosmetikwerbung von einem Billboard. Ihre Hand streicht durch ihr gelocktes, langes, üppiges Haar, das mit weit geöffneten, violetten Blüten geschmückt ist. Es scheint als richte sie ihren Blick vom Billboard direkt nach unten auf die Straße, dorthin, wo die alten Frauen in gebückter Haltung auf kleinen Klappstühlen sitzen und darauf warten, bis jemand eine Möhre oder einen Bund Kräuter kauft.

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Von Belgrad nach Istanbul – Eine Runde Sommer Balkan

Die tiefen, wummernden Bässe der serbischen Technoparty am Schiffsanlegeplatz ziehen ihre Kreise über das Donauufer bis hin zu den beiden Roma Musikern, die an der Brücke melancholische Lieder mit Akkordeon und Geige spielen. Sie verabschieden sich in bestem Wienerisch mit „Servus, Baba“.

Auch für uns heißt es „Servus, Baba.“ Wir verlassen Belgrad und reisen weiter bis Istanbul, überwältigt von den vielen unterschiedlichen Regionen und Kulturen auf diesem kleinen Fleckchen Erde Südosteuropa. Eine visuelle Reise durch Serbien, Montenegro, Albanien, Mazedonien, Griechenland und die westliche Türkei.

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