Srebrenica

Von Saliha Soylu

Und ich weine.

Bittere Tränen.
Strömen.

Und ich weine.
Weil achttausensechshundertzweiundsiebzig Menschen ermordet wurden.
Es waren Muslime, aber darum weine ich nicht.
Ich weine,
weil es Mütter waren,
Kinder, Babies, Väter, Onkel,
Tanten, Brüder, Schwestern,
Alte, Junge,
weil es Menschen waren
wie ich.

Und ich weine.
Weil die Zahl der Toten noch immer steigt,
weil es passiert,
noch heute! noch immer!
und genau in diesem Moment.

Ja ich weine!
Weil ich die Rufe all der Menschen hören kann,
die in diesem Moment sterben,
grausam ermordet werden
vor den Augen der Welt.

Ja ich weine!
Weil ich den Schmerz der Menschen spüren kann,
die die Gebeine ihrer Liebsten ausgraben
aus einem namenlosen Massengrab,
und sie allein an ihren Fingerspitzen wiedererkennen.

Ja ich weine!
Weil ich die Augen all der Menschen sehen kann,
die zu viel gesehen haben,
bis auf den Grund gebrochen von Furcht,
um Hilfe, um Schutz und ein Ende flehend.

Sag mir du Mensch!
wie viele deiner Menschenbrüder müssen sterben,
bis du es endlich verstehst?
Srebrenica ist nicht vorbei.
In vollem Gange,
Tag für Tag an jedem Ort der Welt.

Srebrenica.
Wie viel Gottvertrauen muss man haben, Herr,
um einen Ort wie diesen aufrecht zu verlassen.
Hier ist möglich, dass selbst die Hoffnung stirbt.
Auch 20 Jahre danach.

Ich bin sicher, Herr, es ist ein Zeichen,
doch wir verstehen es wiedermal nicht.
Wie deutlich musst Du werden, Herr,
dass der Mensch endlich begreift??

Und bitterlich weine ich.
Denn die meisten beweinen sich selbst.
Viele beweinen die Toten.
Ich beweine die Lebenden.

Von Saliha Soylu*

Und ich weine.
Bittere Tränen.
Strömen.

Und ich weine.
Weil achttausensechshundertzweiundsiebzig Menschen ermordet wurden.
Es waren Muslime, aber darum weine ich nicht.
Ich weine,
weil es Mütter waren,
Kinder, Babies, Väter, Onkel,
Tanten, Brüder, Schwestern,
Alte, Junge,
weil es Menschen waren
wie ich.

Und ich weine.
Weil die Zahl der Toten noch immer steigt,
weil es passiert,
noch heute! noch immer!
und genau in diesem Moment.

Ja ich weine!
Weil ich die Rufe all der Menschen hören kann,
die in diesem Moment sterben,
grausam ermordet werden
vor den Augen der Welt.

Ja ich weine!
Weil ich den Schmerz der Menschen spüren kann,
die die Gebeine ihrer Liebsten ausgraben
aus einem namenlosen Massengrab,
und sie allein an ihren Fingerspitzen wiedererkennen.

Ja ich weine!
Weil ich die Augen all der Menschen sehen kann,
die zu viel gesehen haben,
bis auf den Grund gebrochen von Furcht,
um Hilfe, um Schutz und ein Ende flehend.

Sag mir du Mensch!
wie viele deiner Menschenbrüder müssen sterben,
bis du es endlich verstehst?
Srebrenica ist nicht vorbei.
In vollem Gange,
Tag für Tag an jedem Ort der Welt.

Srebrenica.
Wie viel Gottvertrauen muss man haben, Herr,
um einen Ort wie diesen aufrecht zu verlassen.
Hier ist möglich, dass selbst die Hoffnung stirbt.
Auch 20 Jahre danach.

Ich bin sicher, Herr, es ist ein Zeichen,
doch wir verstehen es wiedermal nicht.
Wie deutlich musst Du werden, Herr,
dass der Mensch endlich begreift??

Und bitterlich weine ich.
Denn die meisten beweinen sich selbst.
Viele beweinen die Toten.
Ich beweine die Lebenden.

06.04.2015, Srebrenica, Bosnia and Herzegovina

* Saliha Soylu ist Autorin und schreibt und bloggt regelmässig auf https://purpurfluegel.wordpress.com. Der Originalbeitrag ist von dort entnommen https://purpurfluegel.wordpress.com/2015/04/11/srebrenica/ . Saliha ist in Ludwigsburg aufgewachsen und schreibt schon seit vielen Jahren. Sie ist immer neugierig auf die Geschichten anderer Menschen und sie ist überzeugt, dass Kunst jeder Form das Leben und Denken eines Menschen verändern kann.

Autor: Andreas Lehner

Andreas Lehner ist 1978 in Linz, Oberösterreich, geboren. Lehner lebte und arbeitete bisher in Wien, Lima (Peru), Zürich und aktuell in Berlin.

2 Kommentare zu „Srebrenica“

  1. Eine kleine Korrektur: Auf dem Gedenkstein am Friedhof ist die Zahl der Ermordeten auf 8372… Menschen beziffert, nicht 8672. Ich möchte ja keine falschen Tatsachen verbreiten. Allerdings werden ja auch noch immer Massengräber gefunden und Tote identifiziert und dann auf dem Friedhof in Srebrenica begraben. Daher ist die Zahl auf dem Gedenkstein auch bewusst offen gehalten worden durch die drei Punkte. Was die Sache eigentlich nur noch trauriger macht.

    Vielen Dank Andreas, dass Du es ermöglicht hast, mehr Menschen zu erreichen! Denn mit jedem, der sich ändert, ändern wir die Welt.

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