Eine Finca

Popayán befindet sich im Regenwald Kolumbiens, wo Daria eine Finka besucht. Die ersten Stunden nach Ankunft beschreibt sie so, als würdest Du direkt neben ihr am Lagerfeuer sitzen und heiße Schokolade trinken. Tut sie aber mit Maria. Aber irgendwie auch mit Dir.

Maria aus Popayán

Von Daria Skorokhod

Du kommst an. Zugeladen mit Gepäck hast Du versucht zu schlafen, während Du über hubbelige Straßen fuhrst. Endlich aufstehen, herausgehen, sehen. Begrüßt von Maria, läufst Du los. Noch eine halbe Stunde Fußweg liegt vor Dir, erzählt sie Dir. Du glaubst das und läufst halt los. Schön die Überraschung, bereits nach fünf Minuten auf der Finca anzukommen. Wunderschön.

Es ist bewölkt, aber warm –  nicht diese drückende Hitze, die Du gewohnt warst die letzten Monate. Dafür ist es nun eine wohltuende Wärme. Eine leichte Brise erfrischt Dich und lässt die Palmenblätter zittern. Das gesamte Grundstück liegt auf dem Gipfel eines Hügels und wird von ihnen umrahmt, von den Palmen. Hühner, große schwarze Enten und Kaninchen leben hier mit Maria. Sie nutzt die Eier und das Fleisch genauso, wie den selbstangebauten Kaffee, den sie Dir zur Begrüßung serviert. Lecker. Wirklich verdammt köstlich dieser Kaffee. Mit der Tasse in der Hand, lernst Du die Umgebung kennen. Maria führt Dich herum. Sie zeigt Dir die Kaffeepflanzen, die Orangenbäume – schau: Da sitzt ein Adler auf dem Baum! Er fliegt weg, es ist still. Leise ist es, irgendwie melodisch ruhig. Friedlich. Du setzt Dich hin, guckst Dich um. Eine Katze spielt mit dem Hund, der Dich vorhin in Empfang nahm. Es klingelt, die Stille ist unterbrochen. Die Hunde rennen. Sie sprinten bellend los zum Eingangstor. Jemand huscht vorbei. Ein Mädchen kommt aus der Tür hinter Dir heraus. Du schaust Dich um, sie lächelt Dich an. Ihr Vater ist nach Hause gekommen. Beide laufen begleitet von den Hunden zurück. Vorbei an Hängematten, die zum Schlafen locken, verschwinden sie im kleinen Haus.

Wie weit reicht wohl das Grundstück? Der Schäferhund möchte gestreichelt werden. Du streichelst ihn, er führt Dich weg von dem Stein, auf dem Du sahst. Du folgst. Vorbeigelaufen an den Hühnern, stehst Du nun auf dem höchsten Punkt dieses Hügels. Es ist einer der vielen Erdwölbungen, die geschmückt mit tropischer Vegetation in der Landschaft stehen. Plantagen, Palmen, Berge – umso blauer, je weiter Du in die Ferne siehst, im verdunsteten Regenwasser verschwindend. Die Farben ändern sich. Das Licht wird wärmer, während die Luft immer weiter abkühlt. Der Horizont ist in orange getaucht. Es dämmert und kältet. Ein kleiner Weg, umrahmt mit Bambuszaun, führt Dich zurück. Deine Müdigkeit verging schneller als die Zeit. Es ist schon Abend – die Zeit verging unscheinbar. Du sitzt am Tisch neben dem Lagerfeuer. Ein steinerner kleiner Tisch mit zwei Hockern. Maria sitzt Dir gegenüber und erzählt. Kaum kennengelernt, wirkt sie schon auf Anhieb sympathisch. Fröhlich und nachdenklich. Dankbar über das, was sie hat, berichtet sie Dir von ihrer Arbeit. Sie setzt sich für Frauen ein. Für ihr Bild in diesem Land. Ihr esst und trinkt eine heiße Schokolade, um euch aufzuwärmen. Es ist gemütlich. Das Licht wird stiller. Die Dunkelheit bringt ihre eigenen Geräusche mit, die Deine Ohren aufsaugen. Grillen, Frösche, Vögel? Fledermäuse. Hunde erklingen aus weiter Ferne. Ihr Bellen fliegt bis zu euch durch die dunkle Luft. Du sitzt am Lagerfeuer. Alleine, denn Maria hat sich bereits verabschiedet und ist schlafen gegangen. Das Knistern des Feuers ruft Deine Aufmerksamkeit herbei. Die Glut erlischt noch nicht, doch das Feuer brennt aus, denn…– Deine Gedanken sind verstreut.

Maria aus Popayán
Maria aus Popayán, gezeichnet von Daria

Schwierig sie zu verbinden und einzusammeln, während die Flammen weiter tanzen und Deinen Blick anziehen. Deine Augen werden endlich nicht mehr vom Rauch des Feuers gereizt, der durchgängig in deine Richtung floss. Der Rauch strömt nun in den Himmel. Er ist so zugequollen, dass Du die Sterne nicht mehr siehst. Die Wolken versuchen den Vollmond zu verstecken. Es bleibt nur ein heller Fleck da oben.

Lateinamerikanische Salsamusik fährt vorbei, irgendwo in der Ferne. Wie ein unpassender Kontrast zur scheinbar vollkommenen Natur. Der Salsarhythmus schüttelt Dich heraus. Heraus aus dem sanften Geknister des Feuers. Zumindest für einen kleinen Moment. Kurz genug, um Dir bewusst zu machen, wo Du bist. Auf einer Finca nahe Popayán. Im Regenwald Kolumbiens. Südamerika.

Kontext: Über Popayán

  • Hauptstadt des kolumbianischen Departamento de Cauca im Südwesten Kolumbiens
  • 219.532 Einwohner
  • 1.738 m Höhe
  • Tagesdurchschnittstemperaturen um 19 °C
  • Hauptsehenswürdigkeiten Popayáns ist seine koloniale Architektur. Insbesondere die Altstadt mit ihren weißen Kolonialbauten und Straßenlaternen

(wikipedia, abgerufen am 22.April 2015)

Kolumbien Popayán
Kolumbien Popayán

Daria betreibt einen eigenen Blog auf dem sie regelmäßig über Kolumbien in ebenso wunderschönem Stil berichtet:

https://lavidea.wordpress.com/

Informationen Über die Autorin Daria

Copyright Foto Zeichnung: Daria Skorokhod

Autor: Andreas Lehner

Andreas Lehner ist 1978 in Linz, Oberösterreich, geboren. Lehner lebte und arbeitete bisher in Wien, Lima (Peru), Zürich und aktuell in Berlin.

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