Ruin Porn: Hotel Marina Lučica

Ein fotografischer Rundgang und die Privatisierung der kroatischen Riviera:
Primošten. Mitteldalmatien. Irgendwo zwischen Šibenik und Split. Ein Badedorf mit einer mittelalterlich anmutenden Altstadt auf einer dem Festland vorgelagerten Halbinsel, tieftürkises Meer mit imposanter Sonnenuntergangsgarantie, vereinzelte Inseln in Blickweite der Kiesstrände, einige Pinien und andere nicht zu identifizierende Baumanhäufungen und dem dazugehörigen Freizeitangebot, das man sich von so einem Ort erwartet. Die kroatische Riviera eben. Der Duft von Sommeridylle für den geneigten Badetouristen liegt in der Luft.

Primošten, Hotel Marina Lučica

Von Alexander Vojvoda

Ein fotografischer Rundgang und die Privatisierung der kroatischen Riviera

Primošten. Mitteldalmatien. Irgendwo zwischen Šibenik und Split. Ein Badedorf  mit einer mittelalterlich anmutenden Altstadt auf einer dem Festland vorgelagerten Halbinsel, tieftürkises Meer mit imposanter Sonnenuntergangsgarantie, vereinzelte  Inseln in Blickweite der Kiesstrände, einige Pinien und andere nicht zu identifizierende Baumanhäufungen und dem dazugehörigen Freizeitangebot, das man sich von so einem Ort erwartet. Die kroatische Riviera eben. Der Duft von Sommeridylle für den geneigten Badetouristen liegt in der Luft.

Bereits entlang des „Hausmasta“ Strands stechen einem die Hotelanlagen ins Auge, die im Rahmen ambitionierter Bauprojekte der 1960er und 1970er in der damaligen Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien errichtet wurden. Hier vor allem das „Hotel Zora“. Doch dies ist auch schon der einzige Bau, der noch aktiv als Hotel genutzt wird und mit BBQ Festen und dem verstörenden Slogan „Casa di Pasta“ wirbt.

Die Hotelanlagen in Primošten nehmen mit ihrer terrassenartigen Anordnung Anleihen bei Le Corbusier und stehen beispielhaft für einen monumentalen Architekturmodernismus des ehemaligen Jugoslawien, der zum einen die Lebensbedingungen der Menschen, die in diesen Bauten leben sollten, verbessert, aber auch für die hedonistischen Ansprüche der jugoslawischen Elite.

Der Verfall

Im August 2002 wurden drei Hotelanlagen, das bereits erwähnte „Hotel Zora“, „Hotel Raduca“ und „Hotel Marina Lučica“, und eine Campinganlage der „Primošten d.d.“, privatisiert – Kaufpreis 1,6 Millionen Kuna (nach heutigem Umrechnungskurs ca. 215.000 €). Ein Schuldenerlass für die Immobilien in der Höhe von 70 Millionen Kuna wurden darüber hinaus vertraglich vereinbart.

Die durch den Krieg gebeutelte kroatische Tourismusindustrie erhoffte sich durch den Verkauf Investitionen privater Unternehmer in der Region, mehr Arbeitsplätze und einen Anstieg der Nächtigungen. Doch die Anlagen wurden nicht renoviert und der Betrieb mancher Gebäude nie wieder aufgenommen, wie am Beispiel von „Hotel Marina Lučica“ zu sehen ist. Die Gebäude verfallen zusehends und werden bald auch nicht mehr renovierbar zu sein. Der Fall Primošten ist nur ein Beispiel von vielen in Kroatien und im gesamten ehemaligen Jugoslawien, in denen – auf kurzfristige Profit ausgerichtet – privatisiert wurde.

Anbei einige fotografische Eindrücke eines Rundgangs im „Hotel Marina Lučica“ nach dem Motto  „die Schönheit des Verfalls“ oder einfach nur „Ruin Porn“ – man darf selbst entscheiden.

Text und Bilder: Alexander Vojvoda

Diese Bilder wurden mit einer Sony Alpha 5000 aufgenommen. Normalerweise bedient sich Alexander Vojvoda bei der Aufnahme von visuellen und akustischen Artefakten eines Mobilfunkgeräts vulgo Smartphone, das ihm auch zur Bearbeitung und Weiterverbreitung dieser Artefakte dient. Mobiler Journalismus wird das genannt. Leider war dies diesmal nicht möglich, da er ungeschickter Weise auf sein Handy gestiegen ist, das nach diesem Zwischenfall das Zeitliche gesegnet hat.

Autor: Andreas Lehner

Andreas Lehner ist 1978 in Linz, Oberösterreich, geboren. Lehner lebte und arbeitete bisher in Wien, Lima (Peru), Zürich und aktuell in Berlin.

24 Kommentare zu „Ruin Porn: Hotel Marina Lučica“

  1. Schade drum, scheint einmal eine tolle Anlage gewesen zu sein, und wieder einmal zeigen sich die Auswirkungen sinnloser Kriege.
    Wir fahren in ein paar Tagen nach Kroatien und bin gespannt, was wir alles zu sehen bekommen. Ich freue mich jedenfalls schon riesig 🙂

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  2. Hi, ich war auch mal in Kroatien in der Bucht Slano, Nähe Dubrovnik. Die Hotelanlage war zwar noch intakt, doch sah ziemlich nah an heruntergekommener DDR-Plattenbaustatik aus. Die Bucht war toll. Die Umgebung mit Tretminen verdorben. Ist schon ein komisches Gefühl, zwischen den Einwohnern elender und verlassener Häuser Urlaub zu machen. Doch die Freundlichkeit der Menschen, der wir begegnet sind, war unverbesserlich. Es ist schön und ich freue mich darüber, dass ich mir dieses Gefühl und nicht das negative im Sinn behalten habe.
    Liebe Grüße Angela

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      1. Hallo Andreas,

        habe leider nur 2 Außenaufnahmen gefunden, die aber leider nicht von guter Qualität sind (digitalisierte Dias). Vielleicht vermitteln sie aber trotzdem einen Eindruck, wie es einmal ausgesehen hat.

        LG Winfried

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  3. Hallo Andreas! Toller Beitrag 🙂 Ich kenne und liebe Kroatien nun seit vielen Jahren und du hast in deinem Beitrag die Stimmung vieler kroatischer Orte super eingefangen. Auf der einen Seite ein so wunderschönes, tolles Land und auf der anderen dieser melancholisch anmutende Verfall. Klasse Fotos! Für mich gehts auch dieses jahr wieder ab nach Kroatien 🙂
    Liebe Grüße!

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  4. Hallo….ich war gerade 2 Wochen in Sibenik….war auch ein paar Mal in Primosten…habe mir das Hotel “ Marina Lucica“ auch angesehen …würde mich auch sehr interessieren wie es vorher ausgesehen hat…die Lage und Aussicht ist ein Wahnsinn …

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