Caye Caulker, Belize. Eine Runde Koralleninsel. Teil 1

Madonna - La Isla Bonita. Bild aus dem Original Video von La Isla Bonita

Von Andreas Lehner

Caye Caulker

Wer in Mexico, Yucatán unterwegs ist, sollte die Gelegenheit nutzen und einen Abstecher nach Belize machen.  Besonders die kleinen, vorgelagerten Koralleninseln haben besonderen Reiz. Von Chetumal, Mexico fahren täglich Schnellboote auf die beiden bekanntesten Inseln, Ambergris Caye San Pedro (die man nur als Grenzposten nutzen sollte, wenn man Massentourismus nicht gerne hat) und die kleine ca. 8 Kilometer lange und 2 Kilometer breite Mini-Insel Caye Caulker. Stell dir vor.

Schnellboot am dunklen Meer spricht mit dem Mond

Da sitzt du nun ganz hinten im Schnellboot und bereust, dass du „No. Thank you. I am fine“ geantwortet hast, als dich die Schnellboot-Begleiterin gefragt hat, ob es nicht besser sei vorne zu sitzen, weil hinten der Seegang sehr stark zu spüren wäre und es ordentlich rumpeln könne während der Fahrt. Außerdem sei die Luft sehr stickig und Abgase des Schnellboots könnten durch die hinteren Fenster eindringen und so über die Dauer der Fahrzeit ein unangenehmes Kratzen in den Atemwegen hervorrufen.

Nun sitzt du also ganz hinten und es brummt, rumpelt und schaukelt und kratzt. Du schaust aus dem hinteren Fenster der Gischt hinterher. Das mexikanische Festland verschwindet langsam zwischen Himmel und Meer. Das anfangs chaotische und unrhythmische Auf und Ab des Schnellbootes vereint sich mit dem monotonen Brummen des Motors zu einem immer wiederkehrenden und sich wiederholenden Muster. Es ist still im Passagierraum. Draußen, knapp über dem Horizont, senkt sich die Sonne. Das Meer, das Boot, die Passagiere beginnen in tiefem Orange zu leuchten. Keiner kann sich der lauten Stille entziehen. Der eine oder andere macht Fotos. Die eine oder andere kleine Koralleninsel zieht vorbei, zu klein, um von Menschen bewohnt zu sein. Nur einige Palmen und Mangroven auf der Insel verraten die Existenz von Land.

Es ist dunkel da draußen. Du denkst daran, wie es sein muss, bei kompletter Dunkelheit, wie sie jetzt herrscht, mitten auf dem Meer dahinzutreiben. Du spürst, dass dieser Gedanke etwas Unheimliches hervorruft und bist froh, dass es einen Kapitän gibt, eine Bootsbegleiterin und ca. dreißig andere Passagiere. Fischer zu sein, der in der Nacht am dunklen Meer mit dem Mond spricht, ist kein Wunsch der unbedingt in Erfüllung gehen muss.

San Pedro. Ein Bootssteg als Grenzübergang

Der Halt am Bootssteg von San Pedro, Ambergris Caye kommt zu einem guten Zeitpunkt. Alle müssen mit allem raus aus dem Boot und sich am Holzhäuschen neben der Tauchschule mit Reisepass melden. Du denkst zurück an die Grenzkontrolle in Chetumal und fragst dich, ob erneut Drogenhunde über das Gepäck schnüffeln werden und schwerbewaffnete Militärs mit strengem Blick die Reisenden mustern werden. Doch hier stehen die Reisenden entspannt vor dem Holzhäuschen und beobachten vom Steg aus die Rochen, die geschmeidig ihre Flügel auf und ab schlagen und im seichten Wasser geruhsam dahinschweben.

Die Angestellte des „San Pedro Office“ für „Visitors to Belize“ erteilt die Erlaubnis zur Weiterfahrt nach Caye Caulker. Alle steigen mit allem zurück auf das Schnellboot, außer jenen, die Madonnas Träume über „La Isla Bonita“ und San Pedro jagen wollen.

„Alrighty“ in Caye Caulker

Der Basketball Court am Bootssteg von Caye Caulker ist hell beleuchtet. Einige Menschen sitzen auf der Zuschauertribüne aus Beton und sehen zu, wie die Teams um Körbe kämpfen. Du hast dich nie besonders für Basketball interessiert und hättest hier eigentlich auch eher Fußball erwartet als sonst eine Sportart. Belize ist ehemalige britische Kolonie und in den Ländern rundherum dominiert Fußball uneingeschränkt.

Neben dem Basketball Court stehen Golfwagen. Du erinnerst dich an Isla Mujeres. Auch dort gab es Golfwagen. Golfwagen als Mietobjekt, Golfwagen als Taxi. Du übst noch einmal im Kopf die Antworten, die du in Mexico schon so gut konntest: „ No. thanks. I do not need a golf car.“, „ No thanks, I do not need a taxi“, „Thank you“, „No, thanks“. Dann geschah es. Die befürchtete Attacke der Golfwagen-Taxilenker. Die Worte schallen mit millionenfachen Echo in deinem Kopf: „Do. You. Need. A. Taxi.“ Du wirst nervös und beginnst zu schwitzen, weil du genervt bist und ein gebranntes Kind bist. Weil du verunsichert bist, mit deiner mitteleuropäischen Art, die keine Aufdringlichkeit bei Verkaufsanbahnungen verträgt. Du sagst es schnell und so abweisend, dass du fast ein bisschen erschrocken bist über deine eigene Unfreundlichkeit: „No. Thanks!“.

Große Entspannung herrscht hingegen beim Golfwagen-Taxilenker, der mit beruhigender Stimme erwidert: „Alrighty. Whitey! Have a nice stay on Caye Caulker. Maybe next time!“. Nun kommst du dir ganz schön blöd vor, da du so blind drauf losgestürmt bist und das Blind-Drauflosstürmen in deinem Kopf  doch eigentlich nur „den immer aufdringlichen“ Taxifahrern vorbehalten war.

Der Golfwagen-Taxilenker fährt mit vier Fahrgästen und hochgestapeltem Gepäck an dir vorbei. Er winkt dir zu. Du winkst zurück und verspürst eine innerliche Vorfreude auf einige entspannte Tage Caye Caulker.

Madonnas „La Isla Bonita“. In diesem Lied besingt sie San Pedro, Ambergris Key. Heute zeigt sich San Pedro weniger romantisch. Caye Caulker hingegen ist tiefenentspannt. Madonna würde sich heute dort auch wohler fühlen. 

Die Reise nach Caye Caulker fand im November 2013 statt.

Teil 2 findet man hier: Tage wie dieser – „Go Slow“ in Caye Caulker, Belize. Teil 2

Text von Andreas Lehner, Juli 2014

Titelfoto: Screenshot aus dem offiziellen Video, „La  Isla Bonita“, Madonna

Autor: Andreas Lehner

Andreas Lehner ist 1978 in Linz, Oberösterreich, geboren. Lehner lebte und arbeitete bisher in Wien, Lima (Peru), Zürich und aktuell in Berlin.

6 Kommentare zu „Caye Caulker, Belize. Eine Runde Koralleninsel. Teil 1“

  1. Freue mich auf Teil 2!

    Belize ist einer der wenigen Länder, die kaum bekannt sind und kaum bereist werden. Vielleicht ganz gut. Denn so bleibt die Ursprünglichkeit erhalten:)

    Wie ich Dir schon schrieb, war ich auch in Belize. Southern/Northern Lagoon. Manatee Lodge. Magisch!

    Mein ehemaliger Mann brachte jedoch ein weniger schönes Souvenir von dort mit Nachhause. Einen Biss von Doc´s Fly. Wird Dir bestimmt bekannt sein. Selbst Einheimische haben hölischen Respekt davor und schlagen wie wild um sich, wenn sich eine nur annähernd nähert:)
    Ich selbst war zerbissen von Sandflöhen. Sah aus, als ob ich Masern hätte und beim Zählen der Stiche… bei hundert habe ich aufgehört 😀

    Jedoch davon abgesehen, war Belize ein unvergessliches Erlebnis! Was Land und gerade die Menschen angeht!

    Have a nice day! And see you soon!
    Andrea

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    1. die Doc s Fly ist mir nicht bekannt..was ist das?,,,..will ich auch gar nicht kennenlernen ;)…die Sand Fly, Sandflöhe lernte ich kennen…schlimme Tiere…war witzig als nach einem Regenguss plötzlich jemand begann ständig das Bein zu heben und sich mit der flachen Hand drauf zuschlagen, dann machten das immer mehr, schließlich du selbst auch und dann kanntest du auch den Grund dafür…die Stiche quälten uns wochenlang…auch unseren 6 Monate alten Sohn, der hat es mit dem natürlichen Antibiotikum der Muttermilch aber sehr gut wegsteckt.

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