MEXICO, YUCATÁN – Ein touristisches Road Movie über Yucatán, Mexico und Caye Caulker, Belize

Ein Bericht über ein Gefühl, über Erlebnisse und Erfahrungen, über schöne und hässliche Orte, über wundervolle Begegnungen und dem großen Staunen während einer individuellen Reise über die Yucatán Halbinsel in Mexico und Caye Caulker in Belize im Oktober und November 2013. Es reisen zwei Erwachsene und ein 5 Monate altes Kleinkind.

STRAND AN DER KARIBIKKÜSTE

Ein Bericht über Erlebnisse und Erfahrungen, über schöne und hässliche Orte, über wundervolle Begegnungen und dem großen Staunen während einer individuellen Reise über die Yucatán Halbinsel in Mexico und Caye Caulker in Belize im Oktober und November 2013. Es reisen zwei Erwachsene und ein 5 Monate altes Kleinkind. Das Karibik-Feature besteht aus zwei Teilen: Textversion im folgenden und ein eigener Beitrag mit Landkarte der Reise, Audio-Aufnahmen aus der Region und einer wundervollen Fotogallerie von Land und Leuten, die es HIER gibt (5444 Wörter)

Inhaltsverzeichnis

Auf nach Mexico, Yucatán
Cancún
Isla Mujeres
Valladolid
Chichén Itzá
Mérida
Progreso
Ruta Puuc
Chetumal
Caye Caulker, Belize
Tulum

Auf nach Mexico, Yucatán

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Wir entfliehen dem nasskalten, regnerischen Winteranfang in Mitteleuropa, um sechs Wochen tropische Temperaturen, Sonne und Meer, Palmen und Urwald, Sandstrand und Meeresfrüchte und Bier und  frische Ananas zu genießen. All dies erhoffen wir uns von der Yucatán Halbinsel in Mexico. Wir fliegen mit Condor direkt von Frankfurt nach Cancún. Dort tingeln wir im Schneckentempo mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Mietauto um die Halbinsel und nehmen in noch größerem Schneckentempo die bezaubernde und winzig kleine Karibikinsel Caye Caulker, Belize mit.

Cancún, Yucatán, Mexico

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Cancún ist das erste Ziel der sechs wöchigen Reise über die Yucatán Halbinsel. Der internationale Flughafen von Cancún empfängt Gäste aus aller Welt, auch uns.

Cancún. Am Flughafen Karibik Luft schnuppern

Nach dem knapp zwölf stündigen Flug verlassen wir das Flughafengebäude von Cancún.  Es ist 10 h abends Ortszeit. Wir haben über Booking.com ein Hotel vorab gebucht, allerdings haben wir keinen Zugriff auf die Buchung, weil außerhalb der Gepäckausgabe kein öffentliches Internet mehr verfügbar ist. Die letzten Flugreisenden verschwinden in den Taxis oder Shuttle Diensten der großen Hotelanlagen. „Welcome to Paradise“, begrüßt einer der Chauffeure das junge Ehepaar aus Hanau bei Frankfurt. Wir versuchen mit den hilfsbereiten Flughafen Service Menschen die Adresse unseres Hotels ausfindig zu machen. Es klappt, der Internetzugang einer Angestellten funktioniert, wir loggen uns in Booking.com ein, notieren die Adresse, und buchen ein sehr teures Flughafen Taxi., Wir empfinden Vorfreude und spüren  die warme und feuchte Luft der Karibik in unseren Atemwegen. (gemischt mit etwas Kerosin und Diesel der Flugzeuge und Autos) .

Cancún. Das erste Hotel, eine riesige Villa im Vorort

In einem Vorort von Cancún (Alfredo V Bonfil), einem typischen Wohnviertel, befindet sich unser Hotel.  Es gibt hier keine touristische Infrastruktur. Es gibt einige wenige Mini-Läden, die Erfrischungsgetränke, Bier, Nachos, Kaugummis und Zigaretten verkaufen. In einem der Läden  läuft Fußball auf einem flimmernden, alten Röhrenfernseher. Mexiko spielt ein entscheidendes Spiel in der WM Qualifikation für Brasilien 2014. Das Spiel könnte ein Grund sein, warum niemand auf den Straßen zu sehen ist. Das Hotel ist eigentlich kein Hotel, mehr ein Haus, eine Villa in der kostengünstig Zimmer vermietet werden. Es ist günstig, die Zimmer, wenn man Glück hat, riesig. Es ist ein guter Ort, um sich zu akklimatisieren und sich an die Umgebung, das Tempo, die Lautstärke, das Leben, das Klima, die Menschen, und die Sprache Mexicos zu gewöhnen.

Cancún. Der erste Tag in Mexico

Ab in die City,  Centro Cancún. Natürlich mit den öffentlichen Verkehrsmittel. Ausgewiesene Bushaltestellen gibt es in unserem Vorort nicht. Der Mini-Bus(Combi) hält an einer Straßenecke, wo sich bereits einige Personen versammelt haben und auf den Bus warten. Wir eilen zu den anderen, heben den Kinderwagen durch die hintere Tür, setzen uns, werden ruckartig nach vorne geworfen und stützen uns mit beiden Händen am Vordersitz ab. Die Fahrt geht los und wir erreichen nach ca. 30 Minuten das Zentrum von Cancún. (Die Rückfahrt machen wir mit dem Taxi). Frisch gepresster Orangensaft muss Teil eines jeden Frühstücks sein. Etliche andere Fruchtsäfte werden angeboten Teil des Frühstücks zu werden oder das Frühstück selbst.  Alternativ oder dazu gibt es Tortas mit diesem und jenem, Huhn oder sonstigem, dazu die immer wiederkehrende Dreifaltigkeit mexikanischer Saucen, Chili grün, Chili rot, Zwiebel. All dies sind Frühstücksvariationen, die die nächsten sechs Wochen zuverlässiger und ständiger Begleiter sein werden.

Die Mittagshitze macht sich auffällig bemerkbar. Gemeinsam mit dem Lärm der Straße, den dröhnenden Bussen und LKWs, die in kürzester Distanz an uns vorbeirasen, uns mit ihren dunklen Auspuffgasen umhüllen und stechenden Reizhusten hervorrufen, finden wir schnell Einigung darin, dass ein Einkaufszentrum für den Moment die beste Wahl ist um sich die Zeit zu vertreiben. Einkaufszentren gibt es ausreichend in Cancún. Genauso zahlreich sind die großen Hotelanlagen an den Strandabschnitten von Cancún, dort wo auch die Clubs sind, dort wo auch Spring Break stattfindet, dort wo für uns nichts ist, was sich für einen Besuch lohnen würde.

Nächste Etappe. Isla Mujeres

Wir planen die nächsten Tage. Isla Mujeres ist von Cancún aus schnell und einfach mit der Fähre zu erreichen. Isla Mujeres soll bezaubernd sein. Isla Mujeres soll Karibik pur sein. Sand so weiß und weich wie Puderzucker, türkisblaues Meer in Badewannentemperatur, schattenspendende Palmen die den Strand säumen und die Hoffnung dass in der Nebensaison und unter der Woche wenige Touristen auf die Idee kommen die Insel zu besuchen.

Isla Mujeres

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Von Cancún aus bietet sich ein Aufenthalt auf der kleinen Karibikinsel Isla Mujeres an. Die Fähre übersetzt regelmäßig bis spät nachts von Cancúns Fährhafen aus auf die nahe gelegene Insel. Wir machen einen Tagesausflug.

Isla Mujeres. Der Sand so weiß und weich. Das Meer so warm

Unmittelbar nach der Ankunft am Fährhafen von Isla Mujeres erkundigen wir uns, wo es den schönsten Strand der Insel gibt: „Playa Norte. Fahrt mit dem Taxi! Hier stehen unzählige. Wir bringen Euch hin. ..Wollt ihr einen Golfwagen mieten. Super Günstig…“ Wir lehnen dankend ab und fragen noch einmal nach dem Weg. Zu Fuß in 5 Minuten erreichbar. Einmal rechts, dann links, gerade aus. Playa. Am Weg dorthin passieren wir Millionen Souvenirläden mit Totenköpfen, Wrestling Masken (Lucha Libre), „I am in Cancún, Bitch“ – T-Shirts. Hier rollt der Peso, hier geht es um Konsum und um nichts anderes als Konsum. Es ist noch Nebensaison, also ruhig. Man wird von den Verkäufern nicht besonders in die Mangel genommen. Schließlich und endlich, unsere Zehen spüren den warmen, weichen Sand, unsere Augen sehen Palmen, türkisblaues Wasser, tiefblauen Himmel und unsere Herzen fühlen Glück. Wir machen es uns unter einer Palme bequem und schauen hinaus auf das ruhige, sanfte Meer der Karibik.

Nächste Etappe. Valladolid

Nach dem wundervollen Strandtag reisen wir zurück nach Cancún und machen uns am nächsten Tag auf den Weg ins Landesinnere der Yucatán Halbinsel. Valladolid ist die Stadt unseres touristischen Begehrens.

Valladolid

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Valladolid ist eine alte Kolonialstadt unweit von Cancún. Eine ruhige gemütliche Stadt, die zum Herumschlendern einlädt. Die Kolonialbauten bezaubern mit ihren Innenhöfen und den wundervoll bunten Farben ihrer Außenfassaden , In den Restaurants und Cafés sorgen die stetig kreisenden Ventilatoren für ein kühlendes Lüftchen, Gute Orte um Erfrischungsgetränke zu sich zu nehmen und die ersten Kostprobe der Yucatekischen Küche zu wagen.

Valladolid. Rumtreiben im Markttreiben

In Ländern, die sich von unserer mitteleuropäischen Kultur stark unterscheiden, haben Märkte immer eine magische Anziehungskraft. Die erste Frage bei Ankunft, noch vor der Verhandlung des Zimmerpreise, lautet: Wo ist der Markt? In Valladolid ist der Markt  klein, aber äußerst fein. Er hat alles, was das Marktherz begehrt: Eine Fleischabteilung mit Elektrosägen, die surren und kreischen, wenn sie die Knochen der Schweine und Rinder auseinander nehmen. Den Geruch nach rohem Fleisch. Ab einer bestimmter Tageszeit, wenn die Hitze gnadenloser wird, unerträglich. Doch der Mensch gewöhnt sich schnell an Unannehmlichkeiten. Ab und dann ein Blut-Wassergemisch, das sich als Rinnsal ganz gemächlich den Weg am gefliesten Boden in den nächsten Gully bahnt. Ein Alleinunterhalter am Keyboard, der Cumbia und Salsa Hits zum Besten gibt. Schnellimbisse, ein Stand nach dem anderen, die am frühen Vormittag, Hähnchen, Rind und Lamm anbieten. Das Fleisch der Tiere und deren Innereien werden am Grill gebrutzelt und von den Verkäufern lautstark angepriesen.  Hunger. Durst. Von manchen mit Bier gelöscht. Soviel Bier, dass der Pegel die Laune klar bestimmt und die Trinker am Markt zum Übermut verleitet. In den Schatten spendenden Seitengängen der Markthalle ruhen sie sich aus.

Valladolid. Verfolgung durch mobile Werbung

Valladolid ist klein. Es ist eine klassische, mexikanische Kleinstadt, die sich trotz hunderter Touristenbussen, die täglich durch das Zentrum gekarrt werden, viel Authentisches vom Alltagsleben beibehalten hat, z.B. den mobilen Werbeansager: Er fährt den ganzen Tag mit einem Kleinwagen oder Motorrad durch die Straßen der Stadt und bewirbt mit Lautsprecheransagen die besten, tollsten Produktangebote, die es je gegeben hat, nur heute, nur jetzt, nur hier und super „barrato“ (span.für billig).  Ein flotter Musikjingle mit der passenden Melodie und dem passenden Liedtext ist das Bindeglied zwischen den endlosen Wiederholungen. Die Musik dröhnt aus riesengroßen, schwarzen Bassboxen, die irgendwo am Fahrzeug montiert sind. Den  Salsa und Cumbia Rhythmen der Werbung muss so viel Präsenz wie möglich im Umgebungslärm der Straßen verliehen werden.

Nächste Etappe. Chichén Itzá

Chichén Itzá

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Chichén Itzá ist die berühmteste und bedeutendste Ruinenstätte der Maya Kultur. Weltkulturerbe. Weit über eine Million Besucher im Jahr (http://de.wikipedia.org/wiki/Chich%C3%A9n_Itz%C3%A1, 2014). Ich stelle Mutmaßungen zu weiteren Superlativen auf: es ist die Ruinenstätte mit den meisten Souvenirständen der Welt. In keiner anderen Ruinenstätte dieser Welt überragt der Flächen mäßige Anteil des touristischen Vermarktungsbereiches den eigentlichen, historisch relevanten Bereich, so sehr, wie in Chichén Itzá. Nirgendwo anders gibt es so viele holzgeschnitzte Mayamasken und Totenköpfe, aus Plastik angefertigte Lucha Libre (mexikanisches Wrestling) Masken, Chichén Itzá T-Shirts, Teppiche mit Maya Motiven, Tücher, nochmal T-Shirts und holzgeschnitzte Mayamasken und nochmal Totenköpfe, wie in Chichén Itzá. Dennoch: einen kurzen Besuchs ist es wert. V.a. für Fußballfans. Denn in Chichén Itzá kann man den riesigen „Cancha“ (Ballspielplatz) bewundern, den die   Maya für ihre Fußballspiele nutzten.

Chichén Itzá. Ich bin eine Geldmaschine

Chichén Itzá, das ist purer Massentourismus. Alles ist so angelegt und darauf ausgelegt, den Touristen so viel Geld wie möglich abzuknöpfen. Es gibt einen kleinen Ort bei Chichén Itzá, der jedoch ziemlich weit von der Ruine entfernt ist. Außer der Ruine gibt es keinen anderen Grund sich dorthin zu verirren. Man ist somit auf Taxis angewiesen, die ihren Preis haben. Dann gibt es wiederum Hotels direkt an der Ruine. Die Nähe zur Ruine ist ein guter Grund, eines dieser Hotels zu wählen. Die Zimmerpreise sind natürlich etwas höher. Aber, auch hier ist man auf ein Taxi angewiesen, da es zur Ausgrabungsstätte nur einen Eingang mit Kasse gibt. Der Eingang ist ein Stück weg, obwohl die Hotels direkt an der Ruine liegen. Die Taxis haben ihren Preis.  Zumindest, vorausgesetzt man weiß es vorher, kann man nach dem Besuch der Ruine die Abkürzung über den zweiten Ausgang wählen und so direkt vor den Hotels landen, die direkt an der Ruine liegen. Eine Taxifahrt gespart, vorausgesetzt man wusste vorher von der Abkürzung. Logistisch wenig optimal, wirtschaftlich für alle, die in Chichén arbeiten, eine Goldgrube. Angesichts von über einer Million Besuchern im Jahr gibt es keinen Grund irgendetwas daran zu ändern.  Wer Chichén sehen will, muss mit höheren Ausgaben rechnen als sonst wo. Wem es das Geld nicht wert ist, fährt zu anderen Ruinen.

Aber, die positive Seite der Einnahmen ist: alles ist toll ausgebaut. Die Wege der Ausgrabungsstätte sind auch für Kinderwägen bestens geeignet. Es ist alles barrierefrei. In anderen Ausgrabungsstätten ist das nicht der Fall, da z.B. hohe Treppen bewältigt werden müssen, um zu Tempeln zu gelangen. Bei kleineren Stätten sind die Wege oft nicht ausgebaut, was nach starken Regenfällen oft zu Hindernissen führt.

Chichén Itzá. Klatscht in die Hände. Clap your hands everybody

Im Hotel treffen wir am Frühstückstisch zwei Touristenführer. Sie kennen Yucatán wie ihre Westentasche, reisen seit Jahrzehnten mit Touristen um die Halbinsel. Die beiden Mit-Vierziger, Juan und Ruben erzählen uns, sie haben darüber gerätselt warum sie selbst nie eine Familie gegründet haben. Sie mutmaßen es lag an den ständigen Verlockungen der weiblichen Reize, denen sie auf ihren Touren über Yucatán ausgesetzt waren. So bliebe nie Zeit eine richtige Beziehung aufzubauen. Touristenführer Schicksal, sagen sie, immer Unterhalter sein, immer animieren. Sie verabschieden sich mit vielen nützlichen Tipps und Empfehlungen schöner Orten für unsere weitere Reise.

Eine Stunde später sehen wir die beiden vor der berühmten Chichén Itzá Pyramide in die Hände klatschen. Sie fordern die Touristengruppe auf, ebenfalls in die Hände zu klatschen und auf das Echo zu achten, das angeblich klingt wie ein bunter Vogel aus dem Urwald. Das Echo ist in der Tat beeindruckend. Es wird erzählt, die Pyramide wurde absichtlich so gebaut, um genau dieses Echo, das den Vogel imitiert, zu erzeugen. Die Welt der Mythen ist eine wundervolle. Geschichten über Geschichten werden den Touristen erzählt. Den amerikanischen Touristen wird von der Mordlust und Brutalität der Maya erzählt. Es wird erzählt in der Art eines Hollywood Blockbuster, mit viel Drama, mit viel Wumms. Die deutschen Touristenführer erzählen ihrer Gruppe, dass das alles Quatsch sei. Bleiben wir bei den Fakten. Die Amis mit ihrem Hollywood. Schmunzeln in der Gruppe. Händeklatschen. Hören sie das Echo. Listen!

Wir verlassen nach einem gemütlichen Rundgang die Ausgrabungsstätte über den Hinterausgang. Wir wollen einige Pesos sparen. Schließlich brauchen wir auch morgen wieder ein Taxi zur ADO Bushaltestelle am Haupteingang und das hat seinen Preis. Der morgige Bus bringt uns nach Mérida, der Hauptstadt des Bundesstaates Yucatán und koloniales Juwel.

Nächste Etappe. Mérida

Mérida

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Mérida ist die Hauptstadt des Bundesstaates Yucatán. Mérida bietet etliche günstige Hotels, etliche gute (und auch günstige) Restaurants und Bars, viel Kultur, viel Leben und viel von dem, was die Maya Kultur an Erbe hinterlassen hat. In Mérida kann man viel entdecken. Hier lässt es sich ein paar Tage aushalten, für jene, die es nicht ganz so ruhig haben wollen. Denn wer durch die engen Straßen läuft, muss damit rechnen von laut brummenden Bussen und LKWs mit dunklen Abgasen eingehüllt zu werden. Doch es gibt genügend Plätze an denen man sich den Nachteilen urbaner Infrastruktur leicht entziehen kann.

Mérida. Dauerregen, Wolkenbrüche, Hurrikansaison

Es ist noch Hurrikansaison. Eigentlich sollte sich mit Mitte Oktober, Anfang November (unsere Reisezeit) alles beruhigt haben. Doch in diesem Jahr 2013, schlagen die Hurrikane kräftig zu. Mexico ist in dieser Saison mehrmals Opfer von starken Regenfällen, Gewittern und Stürmen. Ganze Regionen und Städte sind von der Außenwelt abgeschnitten und das Bangen um erneute Unwetter hat kein Ende. Die Katastrophen ereignen sich an der mexikanischen Westküste, v.a. im Bundesstaat Guerrero, deren bekannteste Stadt Acapulco ist.  Das Tiefdruckgebiet über Mexico bringt viel Regen und Wolken, auch auf der sonnenverwöhnten Halbinsel Yucatán. Für unseren Stadtbesuch gut. Die heiße Sonne bleibt hinter den Wolken. Vom Café aus beobachten wir die Wolkenbrüche, die in kurzer Zeit ganze Straßenzüge überschwemmen. Wir springen über die Pfützen, fahren den Kinderwagen durch tiefes Rinnsal bis an den Swimmingpool im Patio (Innenhof) unseres Hotels, wo wir mit Bier, ausgezeichneter Pizza und mexikanischen Telenovelas Erholung finden.

Mérida. Perlen im Kolonialstil

Mit etwa 1 Million Einwohner im Ballungsraum (de.wikipedia.org/wiki/M%C3%A9rida_(Mexiko), 2014) und der Jahrhunderte alten Geschichte gibt es in Mérida vieles, was entdeckt werden will. Wir schlendern zum Markt, wir schlendern über den Markt, wir schlendern in eine Seitengasse beim Markt und entdecken ein Kaffeehaus, das sich durch seine Schönheit unwiderstehlich macht. Wie durch einen Sog  zieht es unsere Füße über den mosaikartigen, marmorierten Fliesenboden hin zu den gusseisernen verschnörkelten, eng aneinander gereihten Tischen und Stühlen. Wir setzen uns.  Die Ventilatoren in sechs, sieben oder sogar acht Metern Höhe kühlen unsere Köpfe. Die riesigen Gemälde an den Seitenwänden über das Leben in Mérida zur Jahrhundertwende bringen unsere Augen zum Staunen. Das Servierpersonal in schwarzem Anzug und weißem Hemd, die Frauen in schwarzem Röckchen und weißer Bluse, servieren uns Café con Leche (Milchkaffee), Coca Cola und kühles Bier.

Wir schlendern in die nächste Seitengasse. Wieder, als wäre es physikalisches Gesetz, werden wir in ein Haus mit Innenhof gezogen.  Ein alter Mann sitzt in Unterhemd und Short an einem Tisch im Innenhof und liest die Tageszeitung. Wir sagen „Hola“.  Er zeigt keine Reaktion und blättert auf die nächste Seite. Wir sehen uns um. Zuerst im Innenhof, dann in den Räumlichkeiten, die sich über mehrere kleine und große Zimmer verteilen.  Im vorderen Zimmer steht eine schwere, aus dunklem Holz geschnitzte Bar. Die Gläser, griffbereit in den oberen Fächern der Bar einsortiert. Einige Flaschen Tequila stehen in den Regalen. An den Wänden des Innenhofs ranken wunderschöne Pflanzen. An den Rändern wachsen Palmen und hohe Bäume, die Schatten spenden und den Innenhof zu einem kühlen, ruhigen und beschaulichen Ort machen. Als wäre man durch Betreten des Hauses in einer anderen Welt gelandet. Wir sind zu neugierig. Wir unterbrechen den alten Mann beim Studieren der Werbeanzeigen und fragen ihn: Was ist das hier? Wann öffnet das Restaurant? Wir wollen hier essen. Der alte Mann erzählt: Das ist mein Restaurant. Ich habe es die letzten 40 Jahre geführt. Jetzt ist Schluss. Ich verkaufe alles. Die Räume, die Einrichtung, alles. Wer es haben will, soll es kaufen. Da hinten ist noch ein Innenhof, größer und schöner, als der, wo wir jetzt sind. Es gibt noch weitere Räume da hinten. Seht Euch um.“ Er senkt seinen Kopf und blättert weiter im Anzeigenteil der Tageszeitung.

Wir nehmen die Einladung an und sehen uns alles an. Den noch schöneren Innenhof, die weit nach hinten verzweigten Räume, die Küche. Wir entdecken antike Möbel aus altem dunklen Holz, Schränke, Stühle, Tische. Wir entdecken hunderte Maya Masken und Statuen aus Stein und Holz. Wir entdeckten ein kleines Museum, das hunderte Jahre Mérida atmet. Wir verlassen den Ort überglücklich, wünschen dem alten Mann von ganzem Herzen alles Gute und schlendern in die nächste Seitenstraße.

Nächste Etappe. Progreso

Progreso

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Progreso ist der Hausstrand der Einwohner von Mérida. Regelmäßige und häufige Busverbindungen ermöglichen eine einfache Anreise in den knapp 30 Minuten entfernten Strandort am Golf von Mexico.

Progreso. Der Golf von Mexico, Strand und frische Meeresfrüchte

Wer in Mérida lebt und schnellstmöglich Strand und Meer genießen will, fährt ins 30 km entfernte Progreso. Dort isst man Meeresfrüchte, günstig und sehr gut, badet ein bisschen im Golf von Mexico, genießt die Sonne. Wir folgen dieser Empfehlung und fahren mit dem Bus nach Progreso. Der Bus ist nicht besonders bequem, harte Sitzschalen, keiner dieser Luxus ADO Busse für Langstrecken. Unser mitreisendes Baby wird von den mexikanischen Fahrgästen bestens unterhalten und umgekehrt. Das Baby wird von Schoß zu Schoß gereicht und jeder möchte gerne „Hola, hola, cosita! que pasa! que pasa!“ sagen. Nach knapp 1 Stunde erreichen wir Progreso.

Wir nähern uns dem Strand. Wir nehmen zur Kenntnis, dass hier am Golf von Mexico außerordentlich starker Wind weht. Wir betreten das Hotel, beziehen unser Zimmer und begeben uns sofort in die Strandkneipe „Los Cocos“, dort wo es angeblich die besten und günstigsten „Mariscos“ (Meeresfrüchte) gibt, dort wo nur Mexikaner hingehen, dort wo die mexikanische Authentizität noch nicht verloren gegangen ist, dort wo auch wir hinwollen.

Das „Los Cocos“ ist prall gefüllt. Der Kellner räumt einen Tisch für uns frei. Wir bestellen und genießen „camarones al diablo“ (Shrimps mit feurig, scharfer Teufelssauce) und Bier. Aus den schwarzen Stereoverstärkern des Lokals dröhnt „musica tropical“. Wir schmunzeln über das Lied „camaron caramelo“ von Chicos de la Playa, das mit treibenden, kindlich verspielten Rhythmen dem Geschehen im Lokal noch mehr Dynamik und Temperament verleiht. Tropical! Es ist heiß! Ein Bier noch, bitte!

Nach „camaron caramelo“ spazieren wir entlang des Malecón (Strandpromenade). Wir belauschen die Strandmusiker, die mit ihrer Gitarre Lieder vom Meer, der Liebe und dem hell leuchtenden Mond singen, unter dem sie spät nachts mit einem kleinen Boot zum Fischen fahren. Neben uns torkeln betrunkene Mexikaner, die einen kräftigen Schluck aus ihrer 1.5 Liter Bierflasche nehmen. Sportliche US-Touristen, die als einzige die gleißende Mittagssonne nicht scheuen, joggen mit Baseball-Mütze und nacktem, durch Sonnencreme weiß eingefärbten Oberkörper, den Strand entlang. Die Souvenirverkäufer preisen ihre Strandhüte und Schwimmenten. Die alten Frauen mit tiefen Falten, von Sonne und Salzwasser gezeichnet, schälen Mandarinen, die sie dann in Plastiktüten portionieren und als Erfrischung zum Verkauf anbieten. Die Polizeistreife patrouilliert über die Promenade mit riesigen Pickups und Blaulicht. Coco Nuts. Waffel. Tacos. Fruchtsäfte, Sonnenschirme. Ein Wolkenbruch. Die Flucht unter schützende Dächer. Wieder Sonne und Hitze. Dampf steigt von den Plastiktischen am Strand. Die Sonne vom Golf von Mexico trocknet alles schnell.

Nächste Etappe. Ruta Puuc

Ruta Puuc

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Mit dem Mietauto durchqueren wir Yucatán von Norden nach Süden, von Mérida nach Chetumal. Auf dieser Strecke liegt auch die Ruta Puuc. Eine Region, in der es viele Stätten der Puuc Kultur zu sehen gibt. Uxmal ist die größte und beeindruckendste dieser Stätten. Es ist Ende Oktober. Zeit von Santa Muerte. Die Zeit der großen Feiertage des mexikanischen Totenkults, die in jedem noch so kleinen Ort groß zelebriert werden.

Ruta Puuc. Endlos lange, schnurgerade Straßen durch das Urwald Nichts

10 Minuten, 45 Minuten, 2.5 Stunden, 13 Stunden, 3 Tage und 2 Nächte. Es nimmt kein Ende. Der Blick wird starr. Links grüne Bäume, rechts grüne Bäume. Vor uns, in der Unendlichkeit, ein Punkt, der nie näher rückt. Hinter uns ein Punkt, der nie in die Ferne rückt. Wir stecken fest in einem Zeitloch in mitten des yukatekischen Urwalds, auf einer Hauptverkehrsverbindung zwischen Norden und Süden der Halbinsel.  Einzig die periodisch auftauchenden Warnschilder über  kreuzende Schlangen, Affen und Tiger geben Gewissheit über unseren Fortschritt. Hin und wieder sehen wir Geier auf der Fahrbahn, die sich überfahrene Schlangen und andere tote Tiere einverleiben. Sie flüchten sobald wir zu nahe kommen, verschwinden mit mächtigen Flügelschlägen und der Beute im Schnabel im Dickicht des Urwalds. Endlich nähern wir uns Uxmal. Die Entfernung von Mérida ist lächerlich. Es sind lediglich um die 80 km. Dennoch, die ständig gerade Fahrbahn verzerrt die Zeit und wir sind froh eine Abzweigung nehmen zu können. Rechts abbiegen nach Uxmal.

Ruta Puuc. Uxmal und die kleine, gefährliche, rote Schlange

Uxmal ist eine wundervolle Mayastätte. Tief versteckt in der Vegetation des Urwalds thronen die Tempel von Uxmal. Über große Steintreppen erreicht man einige der schönsten Tempel. Unser mitreisendes Baby im Kinderwagen kann die Tempel leider nicht bewundern, zu mühsam ist der Aufstieg mit dem Kinderwagen. Eine kleine rote Schlange bewegt sich scheinbar langsam durch das Gras. Sie nähert sich dem Kinderwagen und züngelt an den Reifen. Bitte liebe Schlange, nicht hochschlängeln. Als notorischer Angsthase vor Schlangen (Schlangen verschlingen Hasen zum Frühstück) versuche ich Ruhe zu bewahren, mich ganz, ganz langsam über den Kinderwagen zu beugen und das Baby vor der bestialischen Schlange zu retten. Ich entferne mich mit Baby, ganz, ganz langsam, mit fest auftretenden Schritten (ich habe irgendwann einmal gehört, dass die  Vibrationen von Schritten am Boden Schlangen verscheucht) vom Kinderwagen. Die Schlange züngelt weiter am Reifen, reckt sich hoch, züngelt am oberen Rand des Reifens. Eine Gruppe amerikanischer Touristen steigt vom Tempel herab. Ich sage Hallo. Ich sage „Look a snake“. „Oh my god! a red tiny snake! “ Sie zücken die Kamera. Die Schlange fühlt sich durch die US Touristen eingeschüchtert und flüchtet in den nächsten Spalt zwischen den aufeinandergestapelten Steinen der Treppen.

Wir verlassen die Ruine und beziehen unser Quartier im nahegelegenen Ort Santa Elena. Es wird die beste Unterkunft unserer Reise. Eine Unterkunft mit viel Liebe und Herz geführt von einer ausgewanderten Engländerin, die sich um ihre Gäste kümmert als wären diese Fremden, die immer nur für einige, wenige Tage dort wohnen, ihre langjährigen und besten Freunde: The pickled onion.

Ruta Puuc. Santa Elena und Santa Muerte

Santa Elena ist ein kleines Dörfchen, das durch die Nähe zu Uxmal einige Besucher zu verzeichnen hat. Eigentlich ist hier touristisch gesehen nicht viel los. Doch touristisch nicht viel los, ist nicht immer gleich nichts los. Santa Elena ist authentisch. Es gibt keinen Blattsalat mit Hühnerstreifen der an Touristen verkauft, sondern Hähnchen vom Grill mit Reis, die am Straßen-Grill an Einheimische zur Mittagszeit verkauft werden. Es gibt die neugierigen, zurückhaltenden Blicke aus der Trinkertaverne,  die die Touristen mustern. Es gibt die Kinder, die die Touristen fröhlich begrüßen und umzingeln, um ihr in der Schule erlerntes Englisch zu üben. Vor allem dann, wenn die Festtage von Santa Muerte anstehen und die Kinder am örtlichen Wettbewerb für die schönsten Totenaltare teilnehmen. In einer traditionellen Zeremonie werden die Rituale und Brauchtümer der Maya Kultur gezeigt. Die Kinder knien vor den üppig dekorierten Altaren, die Lämmchen warten vor der Holzhütte auf ihr Schicksal als Opfergabe. Ein Komitee aus Schuldirektor, Bürgermeister und Historiker trägt Bewertungen auf ihren Check-Listen ein, deren Summe den Gewinner im Altar-Wettbewerb bestimmen wird. Wir verabschieden uns von den Kindern. Unser mitreisendes Baby wird zum Abschied mit Küssen der Mädchen überhäuft.

Ruta Puuc. Haciendas, ein weiteres Highlight der Umgebung

Im Umkreis der Ruta Puuc gibt es nicht nur unzählige Maya Ruinen zu bewundern. Alte, wunderschöne Haciendas sind ein weiteres Highlight in dieser Region. Die Haciendas sind ausgesprochen imposante Anwesen. Ein Besuch lohnt sich. Mit dem Auto sind die Anwesen sehr gut erreichbar. Ohne Auto so gut wie gar nicht.

Nächste Etappe: Chetumal

Chetumal

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In den Reiseführern steht nicht viel Nennenswertes über Chetumal: Grenzstadt zu Belize, Zollfreizone an der Grenze für Kaufwütige von Billigramsch, Hafen für die Fähren nach Belize. Es gibt hier scheinbar nicht viel zu tun.

Chetumal. Der verrückte Taco, Taco Loco

Wir sind hungrig. Wir freuen uns endlich wieder am Meer zu sein, nach den Tagen im Landesinneren, nach den Tagen von Hähnchen, Hähnchen und Hähnchen. Wir eilen zu Taco Loco, einem auf Meeresfrüchte und Fisch spezialisierten Restaurant. Eigentlich ist Taco Loco mehr ein Fast Food Restaurant, es gibt sogar ein Liefereservice. Mopeds mit großen Taco Loco Kisten sind in der ganzen Stadt zu sehen. Es gibt all das, was man sich wünscht vom Meer: Fisch mit Fisch oder Fisch mit Meeresfrüchten gefüllt, natürlich Ceviche, natürlich Millionen anderer Dinge aus dem Meer. Die kleine Küche von Taco Loco läuft im Hochbetrieb. Ein dutzend emsiger Köche schälen Gemüse, zerlegen Fisch, schneiden ihn in kleine Stücke, lösen Muschelfleisch aus deren Schale, schlagen mit der Hand auf die Klingel in der Durchreiche: es kann serviert werden. Wir frühstücken dort, wir essen zu Mittag dort und wir kommen abends wieder.

Chetumal. Eine Begegnung der anderen Art

Wir spazieren mit frisch gepresstem Fruchtsaft durch die Straßen von Chetumal. Jeder zweite Laden versucht mit Sonderrabatten Restposten von Halloween Artikeln loszuwerden. Wer eine Schwäche für Verkleidungen hat, ist hier genau richtig, besonders für jene Verkleidungen, die Tote als Skelett darstellen, variierbar mit Lucha Libre (Wrestling) Masken und, oder heißen, kurzen Miniröcken.

Ich sehe im Augenwinkel eine groß gewachsene, weiße Frau in einem ungewöhnlichen Kostüm. Das was ich sehe, macht mich neugierig und ich erweitere mein Blickfeld um genauer zu sehen. Ich fühle mich plötzlich in eine andere Welt versetzt. Bin ich wieder zurück in Berlin. Ist ein neuer Modetrend ausgebrochen, sehe ich mitten in Chetumal eine sehr, sehr mutige Transe, nein zwei Transen und einen klein gewachsenen Mann, der die beiden anführt, mit Farmerhut und Farmerhemd, ebenfalls blanke weiß im Gesicht, die beiden großen Frauen mit seltsamer Kopfbedeckung, seltsam langen Kleidern, nein, für Berlin wär das zu viel, vielleicht New York, wenn jemand sehr, sehr mutig ist oder bin ich in eine Zeitzentrifuge geraten, aber mit mir all die anderen aus Chetumal, eher unwahrscheinlich, inklusive meiner Freundin und Kind, die alle unverändert aussehen, eben nur diese drei seltsamen Gestalten, nein fünf, sogar sieben, sie werden immer mehr, vier weitere kommen aus einem Schuhgeschäft mit Babies am Arm, alles Frauen, nur ein Mann dabei, eben dieser eine kleine Mann, der Anführer, so wie es aussieht, lehnt lässig am Schaufenster des Schuhladens, den Daumen der einen Hand lässig unter den Hosenträger gespannt. Sind das die Waltons?

Wir gehen hin und fragen. Auf Spanisch. Keine Antwort, nur Gekicher wie bei Monty Python in „Das Leben des Brian“. Auf Englisch. Keine Antwort, nur verlegene Blicke auf den Boden. Auf Deutsch. Blicke werden plötzlich erwidert. Deutsch also. Mitten in Chetumal. Aber nicht Deutschland. Wir begrüßen deren Baby mit unserem Baby. Was für eine Freude, das Baby lacht laut, die Frauen lachen, sogar der eine kleine immer ernst blickende Mann muss lachen. Ganz früher, ewig her, kamen sie aus Deutschland hierher um sich als Bauern anzusiedeln, hierher ins benachbarte Belize. In Chetumal sind sie zum Shoppen. Schuhe und Klamotten bekommt man hier leichter als drüben am Land in Belize. Mennoniten. Klingt nach Außerirdischen, wirken in der dortigen Umgebung auch so, sind es aber nicht. Wir verabschieden uns und wünschen uns gegenseitig alles Gute.

Chetumal. Ganz langsam, Caye Caulker

Die Tickets für das Schnellboot nach Caye Caulker haben wir in der Tasche. Zu ersten Mal überqueren wir Grenzen über den Seeweg. Am Hafen schnüffeln die Drogensuchhunde über unser Gepäck. Neben uns ein holländisches Pärchen. In dieser Situation sind die beiden Holländer schnell Opfer für Haschisch Witzelein. Alle sauber, wir dürfen. Nach einem  Zwischenstopp für Einreiseformalitäten im berühmten San Pedro (La Isla Bonita), erreichen wir nach kurzer Fahrt und atemberaubenden Sonnenuntergang den Holzsteg von Caye Caulker.

Nächste Etappe: Caye Caulker

Caye Caulker, Belize

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Die große Schwester von Caye Caulker ist Ambergris Caye. Die große Schwester ist berühmt, weil Madonna einmal von San Pedro und La Isla Bonita gesungen hat. Daraufhin (oder auch nicht) haben sich viele nordamerikanische Touristen dort eingefunden, Häuser gekauft, gebaut und bezogen als Alterssitz und als Möglichkeit dem kalten nordischen Winter zu entkommen. Massentourismus zur Erfüllung des Karibiktraums ist entstanden. Ruhe ist dort als normaler Tourist schwierig zu finden. Es ist hektisch, es gibt Discotempel und Saufgelage, die Drogenverkäufer sind hartnäckig und wollen ein einfaches „No thanks“ nicht so einfach akzeptieren. Ganz anders hingegen die kleine Schwester, Caye Caulker.

Caye Caulker. Go slow. Go slow. Go slow

Bei unserer Ankunft am Bootssteg werden wir sofort von den wartenden Taxifahrern im Golfwagen angesprochen „Taxi! D‘ ya need a taxi“?  Wir fragen nach dem Weg zu unserem Hotel. „Ist es weit“, „No“. „Kann man zu Fuß gehen“. „Yes“ „Turn left, after 200 m  you‘ ll find the hotel“.

Wir freuen uns, dass unsere Ankunft derart angenehm verlief. Eigentlich rechneten wir damit, dass auf uns eingeredet wird ein Taxi zu nehmen mit dem Argument, dass es viel zu weit ist zu Fuß, dass es ohnehin nur wenig koste und wir doch unbedingt, ganz einfach ein Taxi nehmen sollten, um dann feststellen, dass uns der Taxifahrer nach 2 Minuten aussteigen lässt, weil wir das Ziel erreicht haben, er uns einen viel zu hohen Preis verrechnet hat, er darüber meckert kein Trinkgeld bekommen zu haben, wir uns grün und blau ärgern, den Taxifahrer verfluchen bis an sein Lebensende, wir zur Beruhigung schnell ein kühles Bier trinken müssen… Doch all das geschah nicht. Wir sind auf Caye Caulker. Go Slow! Wenn nicht, auch ok! Just have a good time, whitey.

Caye Caulker. Die Ausdehnung der Zeit in Front Street, Back Street und Middle Street

Caye Caulker ist eine kleine Insel. Die Insel besteht aus drei Hauptstraßen, die die Insel der Länge nach durchqueren. Die Hauptstraßen sind durch Querstraßen miteinander verbunden. In diesen Bereichen gibt es einen Supermarkt, einige Restaurants und Imbissbuden, eine Schule, einen Fußballplatz, die Inselpolizei, Wohnhütten, Agenturen für Tauchtouren, einige Unterkünfte für Touristen. Wir spazieren am ersten Tag unseres Aufenthalts durch die Straßen. Wir erreichen das Ende der Insel in kurzer Zeit. Eine tolle Strandbar verführt uns zum Verweilen. Dieses Ende der Insel nennt man „The Split“. Ein Hurrikan trennte irgendwann einmal die Insel in zwei Hälften. Wir trinken und gehen zurück ans andere Ende der Insel. Wozu gibt es hier diese Golfwagen Taxis? Das ist doch lächerlich, für diese Distanzen. Am nächsten Tag gehen wir in ein kleines Café frühstücken. Wir spazieren zum anderen Ende der Insel, zum Split. Wir trinken. Wir gehen zurück zum anderen Ende der Insel. Wir legen kurze Pausen ein und trinken frischen Melonensaft. Wir lassen uns Geschichten erzählen über den Regen, dass es viel regnet momentan, dass auch unser kleines Baby bald wissen wird, was Regen ist, weil es bald viel davon sehen wird. Wir gehen weiter zum anderen Ende der Insel. Am nächsten Tag frühstücken wir im Café. Wir schlendern ins Café. Wir machen kurz Halt beim Supermarkt und lassen uns Geschichten erzählen von der Artenvielfalt der naheliegenden Riffs. Wir frühstücken und gehen weiter zum anderen Ende der Insel, machen Pause am Split, gehen wieder ans andere Ende der Insel, natürlich mit Pause.

Nach 8 Tagen beschließen wir die Insel zu verlassen und mit dem Schnellboot zurück nach Chetumal zu fahren.

Nächste Etappe: Tulum

Tulum

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Tulum ist ein weiterer Karibiktraum an der Küste des Bundesstaates Quintana Roo. Es gibt, wie überall auf der Halbinsel, eine bedeutende Mayastätte. In Tulum befindet sich die Mayastätte in bester Lage mit Blick über das azurblaue, karibische Meer.

Tulum. El Camello macht den Abschied schwer

„Als es in Tulum noch kein elektrisches Licht gab, gab es schon „El Camello“. Ein besseres Restaurant für Fisch und Meeresfrüchte wird man in Tulum nicht finden. Das ist und bleibt auf alle Ewigkeit, wenn irgendwann einmal wieder die Lichter ausgehen in Tulum,  das „El Camello““, versichert uns der Taxifahrer. Die Tage zu unserer Abreise werden weniger. Wir genießen jeden Tag mit Ceviche Mixto im „El Camello“. Wir genießen die Stunden vor unserem täglichen Besuch im „El Camello“ mit wundervollen Stunden am herrlichen Sandstrand von Tulum. Unser Baby tobt im weichen Sand und erkundet die Wasserpfützen, die die Wellen für kurze Zeit am Ufer zurückgelassen haben. Wir sitzen im kühlen Schatten der Palmen und schauen hinaus aufs Meer und lassen unserem Appetit auf Meeresfrüchte schön langsam die Überhand gewinnen, bis wir nicht mehr anders können als ins Taxi zu „El Camello“ zu steigen.

Der letzte Tag ist angebrochen. Wir müssen zurück nach Cancún. Der Bus fährt am „El Camello“ vorbei. Wehmütig verfolgen wir mit unserem Blick das an uns vorbeiziehende Restaurant und wünschen uns ein Ceviche Mixto als Lunchpaket. Noch rund sechszehn Stunden und der Flughafen Frankfurt am Main wird uns mit Frankfurter Würstchen begrüßen.

 Von Andreas Lehner

Autor: Andreas Lehner

Andreas Lehner ist 1978 in Linz, Oberösterreich, geboren. Lehner lebte und arbeitete bisher in Wien, Lima (Peru), Zürich und aktuell in Berlin.

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